Gesundheit: „Sieht nicht gut aus für doppelt Geimpfte“: SO reagiert Top-Virologe Christian Drosten auf die neuesten Omikron-Studien

Corona-Variante: Warum Omikron der Körperabwehr entwischen könnte

  Corona-Variante: Warum Omikron der Körperabwehr entwischen könnte Kann die neue Corona-Variante auch Geimpfte und Genesene infizieren? Noch fehlen Labordaten. Aber was Forscher aus dem Erbgut von Omikron lesen, versetzt sie in Sorge. © Rithwik photography/​Getty Images Erst Daten aus dem Labor werden Klarheit bringen, wie stark Omikron dem Zugriff durch Antikörper entgehen könnte. Gerade jetzt, da viele Staaten mit der Pandemie kämpfen wie nie zuvor, da Delta die Infektionszahlen in bislang ungekannte Höhen treibt; gerade jetzt ist sie aufgetaucht: die neue Corona-Variante namens Omikron.

Es ist noch schlimmer, als Virologen befürchtet hatten: Omikron entkommt der Immunantwort auch bei Geimpften und Genesenen, so das Ergebnis von Labor-Untersuchunten der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek.

  „Sieht nicht gut aus für doppelt Geimpfte“: SO reagiert Top-Virologe Christian Drosten auf die neuesten Omikron-Studien © Bereitgestellt von Berliner Kurier

In seinem Podcast Coronavirus-Update, den Christian Drosten abwechselnd mit Sandra Ciesek zusammen mit NDR-Journalistinnen führt, hatte der Berliner Virologe am Dienstag bereits auf die Gefahren für Ungeimpfte hingewiesen, die von Omikron ausgehen. Nun sieht es so aus, dass selbst doppelt Geimpfte keinen ausreichenden Immunschutz gegen Omikron aufweisen. Auf Englisch twittert Drosten, es sehe „nicht gut aus für doppelt Geimpfte“.

Panik wegen Omikron! Drosten warnt: „Jeder soll sich sofort boostern lassen“ +++ RKI fordert Kontaktbeschränkungen

  Panik wegen Omikron! Drosten warnt: „Jeder soll sich sofort boostern lassen“ +++ RKI fordert Kontaktbeschränkungen Doch Drosten macht auch Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie.Ihm mache in diesem Zusammenhang Sorgen, dass in Deutschland relativ viele Menschen weder geimpft noch genesen seien. Und diese Gruppen könnten nach bisherigen Erkenntnissen über Omikron besonders anfällig für schwere Verläufe sein. „Jeder, der kann, soll sich jetzt sofort boostern lassen“, sagte Drosten.

Doch Drosten hält die Impfung ganz und gar nicht für überflüssig, er ergänzt: „Eine dritte Dosis (ist) notwendig. “ Christian Drosten plädiert also für die Booster-Impfung, die sich derzeit Millionen von bereits geimpften Deutschen verabreichen lassen.

Drosten führt es nicht aus, aber wissenschaftlicher Konsens ist, dass der Booster die Immunantwort als Ganzes stärkt, auch gegenüber Varianten des Coronavirus. Außerdem geht die derzeitige vierte Welle ganz überwiegend auf die Delta-Variante zurück, gegen die die Impfung schützt. Eine stärkere Verbreitung der Omikron-Variante in Deutschland erwartet Drosten ab Januar.

„Ich denke, ab Januar werden wir mit Omikron in Deutschland ein Problem haben“, sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité am Dienstag im Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info. Er mahnte erneut das Schließen der Impflücken in der Bevölkerung an, es müsse jetzt voll um den Schutz des Einzelnen gehen. Omikron werde wahrscheinlich die Anpassung der vorhandenen Impfstoffe nötig machen.

Impfstoff gegen Omikron: Die vierte Impfung

  Impfstoff gegen Omikron: Die vierte Impfung Längst arbeiten Impfstoffhersteller an neuen Impfstoffen, die speziell vor Omikron schützen sollen. Das geht rasend schnell – ist für die kommende Welle doch zu langsam. © Comezora/​Getty Images Kommt bald ein neuer Impfstoff? Jetzt boostern lassen: Vor allem ältere Menschen und diejenigen, bei denen die zweite Impfung bereits einige Monate zurückliegt, sollten sich so schnell wie möglich die dritte Impfung holen. Denn mit der Omikron-Variante droht Deutschland eine neue Welle von Infektionen, da sind sich Experten einig.

Die zuerst im südlichen Afrika nachgewiesene Variante B.1.1.529 ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „besorgniserregend“ eingestuft worden. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC spricht von ernsthaften Sorgen, dass die Variante die Wirksamkeit der Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von erneuten Infektionen erhöhen könnte. Welche genauen Auswirkungen die Variante hat, steht noch nicht fest.

Das Omikron-Problem könne bis in den Sommer andauern, warnte Drosten. In Südafrika seien die Zuwachsraten trotz des dort einsetzenden Sommers hoch. „Und darum würde ich im Moment auch nicht sagen, bis Ostern ist in Deutschland die Pandemie vorbei, wenn Omikron übernimmt.“ Bisher seien ihm hierzulande aus dem Austausch mit Kollegen ungefähr 25 bis 30 Omikron-Fälle bekannt. Die Zahl sei nicht vollständig und werde rasch zunehmen. Das Virus scheine „extrem verbreitungsfähig“ zu sein. Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte vergangenen Donnerstag von vier bisher bestätigten Fällen gesprochen.

Verliert Corona durch Omikron an Schrecken?

  Verliert Corona durch Omikron an Schrecken? Wird die Pandemie dank Omikron „endemisch“? Wie hoch ist die Ansteckung, wie schwer der Verlauf? Experten geben Auskunft.Hoffnungsträger: Auch wenn erst wenige Studien zu Omikron vorliegen und die Lage in Deutschland nur bedingt mit der in anderen Ländern vergleichbar ist, mehren sich die Stimmen, die mittelfristig von etwas Entspannung durch Omikron ausgehen. Die Idee dahinter: Durch Omikron könnte – das ist aber bislang nur eine Hypothese – eine endemische Situation näher rücken. Die hohe Übertragbarkeit könnte dazu führen, dass die Bevölkerung als Ganzes vergleichsweise schnell eine höhere Immunität erreicht.

Der Virologe betonte, dass es rund um die Variante noch viele offene Fragen gebe und mehr Daten abgewartet werden müssten. Mehrfach sprach Drosten von einer „Ratestunde“. Die Ausgangslagen in Südafrika und England, wo Omikron sich in besorgniserregender Geschwindigkeit ausbreite, seien zudem anders als in Deutschland. Das betreffe unter anderem die Anteile von Geimpften und Genesenen, aber auch die Maßnahmen, die aktuell in Kraft seien. Deutschland fahre derzeit mit „angezogener Handbremse“, deshalb könne es sein, dass die Ausbreitung nicht ganz so schnell erfolgen werde. Auch könnten Daten aus manchen Ländern wegen gezielter, sehr genauer Nachverfolgung bei Reiserückkehrern und deren Umfeld verzerrt sein.

Er wolle nicht den Teufel an die Wand malen, halte aber Vorsicht angesichts der Veränderungen des Virus für geboten, sagte der Charité-Forscher. Bei Omikron sei die „blödeste Kombination“ an Eigenschaften zu befürchten: Immunflucht und und Fitnessgewinn - also eine Variante, die den Antikörpern von Geimpften und Genesenen besser entkommt und zudem ansteckender ist. Nach Einschätzung des Corona-Experten könnte ab dem zweiten Quartal 2022 womöglich eine neue Generation angepasster Impfstoffe verwendet werden. Hersteller hatten Arbeiten zur Anpassung an Omikron angekündigt. Die Variante weist zahlreiche Mutationen an kritischen Stellen auf.

Coronavirus - die Woche: Ist Omikron Corona-Light? Der Corona-Wochenüberblick

  Coronavirus - die Woche: Ist Omikron Corona-Light? Der Corona-Wochenüberblick Wo ist die Omikron-Abwehr? Schulchaos Reloaded. Und aktuelle Entwicklungen aus der Forschung: unser Corona-Wochenüberblick. © Timo Lenzen/ DER SPIEGEL Liebe Leserin, liebe Leser,es ist schon bemerkenswert. Einerseits bestätigt sich, was Wissenschaftler schon vor Wochen prognostiziert haben: Die Omikron-Welle ist vielmehr eine Wand, das zeigen die Infektionszahlen aus den von der neuen Welle besonders betroffenen Ländern wie beispielsweise England oder den USA.

Aktuell sei es sicher noch „gut“, die vorhandenen Impfstoffe einzusetzen und auch die Booster-Impfung „unbedingt voranzutreiben“, sagte Drosten. Geimpfte müssten kein völliges Verschwinden ihres Immunschutzes fürchten, aber eine Verringerung sei absehbar. Er glaube nicht, dass Menschen, die bereits eine Auffrischungsimpfung hatten, wieder so dastünden wie am Anfang der Pandemie. Ein Boostern der Bevölkerung zum Winter hin in den nächsten Jahren schloss Drosten nicht aus. Er widersprach aber deutlich Darstellungen, wonach die Menschen ein „lebenslanges Impf-Abo“ vor sich haben könnten.

Auch angesichts schwerer Verläufe, die nun bei Kindern in Südafrika beobachtet würden, sei zu befürchten, dass Omikron für Ungeimpfte „nicht harmlos“ sei, sagte Drosten. Man dürfe wegen Berichten über milde Verläufe in Südafrika nicht in Euphorie verfallen: Dort seien die meisten Menschen schon mit Sars-2-Coronavirus infiziert gewesen. Deutschland sei mit der Immunität in der Bevölkerung noch nicht so weit.

Der US-Immunologe Anthony Fauci wies am Dienstag auf die Möglichkeit milderer Verläufe hin, mahnte jedoch, dass es zu früh sei für eine abschließende Bewertung. Die beobachteten verhältnismäßig milden Verläufe könnten auch mit den vor allem betroffenen jüngeren Leuten zu tun haben.

Angst vor der Omikron-Welle +++ Inzidenz über 800! +++ Wie gefährlich ist die Virus-Variante wirklich? +++ Virologin: Das Risiko, sich zu infizieren, war nie größer .
Eine immense Omikron-Welle rollt durch Deutschland, längst ist die Virusvariante vorherrschend. Was sicher scheint: Omikron verbreitet sich zwar besonders schnell, schwere Verläufe sind aber seltener. Im Podcast „Coronavirus-Update“ des NDR fasst Virologin Sandra Ciesek zusammen: Nie sei das Risiko, sich zu infizieren, größer gewesen - zugleich sei das Risiko für eine schwere Erkrankung, wenn man geimpft oder geboostert sei, niedrig wie nie. Wie Omikron das individuelle Risiko bei einer Infektion verändert – und warum Experten weiter zu Vorsicht mahnen.

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