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Finanzen: Lagarde: Keine verfrühte Straffung der Geldpolitik

Finanzstabilitätsbericht: Diese vier Risiken am Finanzmarkt bereiten der EZB Sorgen

  Finanzstabilitätsbericht: Diese vier Risiken am Finanzmarkt bereiten der EZB Sorgen Die EZB skizziert die größten Verwundbarkeiten für das Finanzsystem. Dabei blickt sie vor allem auf die hohen Bewertungen am Immobilienmarkt. © dpa Alle sechs Monate analysiert die Notenbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht die größten Risiken für das Finanzsystem. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht durch die Pandemie weiter Verwundbarkeiten im Finanzsystem. „Das Risiko hoher Kreditausfälle von Unternehmen und hoher Verluste für die Banken ist jetzt deutlich geringer als vor sechs Monaten.

Europas Währungshüter lassen sich vom kräftigen Anstieg der Teuerungsraten nicht zu einem rascheren Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes drängen.

Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, spricht auf der Pressekonferenz der Bank in Frankfurt am Main. © Boris Roessler/dpa Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, spricht auf der Pressekonferenz der Bank in Frankfurt am Main.

Im Gegenteil: EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigte am Freitag, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Wirtschaft auch dann weiterhin unterstützen werde, wenn die akute Pandemie-Notlage beendet sei. Das beinhalte auch eine «angemessene Kalibrierung» der Anleihenkäufe der Notenbank. «Wir werden unsere diesbezüglichen Absichten im Dezember bekannt geben», sagte Lagarde. Der EZB-Rat kommt am 16. Dezember zu seiner nächsten turnusgemäßen geldpolitischen Sitzung zusammen.

Geldpolitik: Lagarde und deutsche Finanzelite streiten über Inflationsgefahren

  Geldpolitik: Lagarde und deutsche Finanzelite streiten über Inflationsgefahren Die EZB-Präsidentin hält den aktuellen Preisschub für vorrübergehend und sieht keinen Bedarf für eine baldige Zinserhöhung. Deutsche Bankenvertreter widersprechen. © dpa Die EZB-Präsidentin erteilt einer Zinswende im kommenden Jahr trotz der derzeit erhöhten Inflation erneut eine deutliche Absage. Schlagabtausch zwischen der EZB und der deutschen Finanzelite: Während prominente Banker aus der Bundesrepublik auf dem European Banking Congress (EBC) eine Abkehr von der jahrelangen Niedrigzinsenpolitik forderten, sieht EZB-Präsidentin Christine Lagarde dafür aktuell keinen Bedarf.

«Wir nehmen diese Phase der höheren Inflation nicht auf die leichte Schulter», versicherte Lagarde bei einem im Internet übertragenen Frankfurter Bankenkongress. Die Notenbank dürfe aber «angesichts vorübergehender oder angebotsbedingter Inflationsschocks nicht zu einer vorzeitigen Straffung der Geldpolitik übergehen», bekräftigte die EZB-Präsidentin. «In einer Zeit, in der die Kaufkraft bereits durch höhere Energie- und Treibstoffkosten geschmälert wird, würde eine unangemessene Straffung einen ungerechtfertigten Gegenwind für den Aufschwung bedeuten.»

Preise steigen weiter

Die Teuerungsraten klettern seit Monaten. In Deutschland etwa lagen die Verbraucherpreise im Oktober um 4,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Inflation in Europas größter Volkswirtschaft ist damit so hoch wie zuletzt vor 28 Jahren. Auch im Euroraum lag die Inflationsrate mit 4,1 Prozent im Oktober deutlich über dem von der EZB mittelfristig angestrebten Ziel von 2 Prozent.

EZB-Direktorin Schnabel sieht für Inflation Aufwärtsrisiken

  EZB-Direktorin Schnabel sieht für Inflation Aufwärtsrisiken Isabel Schnabel, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), sieht zunehmende Inflationsgefahr. Dass ein Wiederaufflammen des Coronavirus den Aufschwung in der Eurozone behindern könnte, hält Schnabel in einem ausführlichen Interview mit Bloomberg News für weniger wahrscheinlich. Most Read from BloombergAsia’s Richest Man Looks to Walton Family Playbook on SuccessionNew York City Is Building a Wall of Oysters to Fend Off FloodsA Denser City, But at What Cost?The Women Behind Historic House DesignsFrom Bathhouses to Fisheries, Hidden Inflation Is Creeping Across Japan“Es ist plausibel anzunehmen, dass die Inflation mittel

«Diese Inflation ist unerwünscht und schmerzhaft - und es gibt natürlich Bedenken, wie lange sie anhalten wird. Wir nehmen diese Sorgen sehr ernst und beobachten die Entwicklungen sorgfältig», sagte Lagarde. «Insbesondere ist uns bewusst, dass eine höhere Inflation die Realeinkommen der Menschen drückt, vor allem derjenigen am unteren Ende der Einkommensverteilung.»

Lagarde bekräftigte die Sichtweise der Zentralbank, dass ein Großteil des Inflationssprung durch Sonderfaktoren zu erklären sei, die sich im nächsten Jahr allmählich wieder abschwächen sollten. Die Währungshüter nennen beispielsweise die Erholung der Ölpreise nach dem Corona-Schock sowie Lieferengpässe infolge der gestiegenen Nachfrage. Zudem schlägt die Rücknahme der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung in Deutschland durch.

Es gibt «strukturelle Inflation»

«Ich glaube, dass wir unterschätzen, dass diese Inflation tatsächlich länger anhalten wird und dass die Inflationsraten höher bleiben werden, als einige Leute und Ökonomen in den vergangenen sechs oder sieben Monaten gedacht haben», antwortete Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing auf Lagardes Vortrag. Es gebe «eine strukturelle Inflation», getrieben etwa durch steigende Kosten im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Er gehe davon aus, dass die Inflationstrends der vergangenen vier bis sechs Wochen bis in die erste Jahreshälfte 2022 anhalten werden, sagte Sewing und forderte: «Eine Reaktion der Zentralbank sollte früher erfolgen, als wir es gerade gehört haben.»

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  Isabel Schnabel: Die Professorin, die Deutschland die EZB lehrt Isabel Schnabel hat vielleicht einen der heikelsten Jobs in der Weltwirtschaft: als deutsche Direktorin der Europäischen Zentralbank ihren notorisch inflationsscheuen Landsleuten die Niedrigzinspolitik nahezubringen. Most Read from BloombergBillionaire Family Feud Puts a Century-Old Business Empire in JeopardyAsia’s Richest Man Looks to Walton Family Playbook on SuccessionThe 24-Year-Old Aiming to Dethrone Victoria’s SecretThe Winners and Losers From a Year of Ranking Covid ResilienceAn Arab City’s Booming Art Scene Is Also a Grab at Soft PowerFast zwei Jahre nach ihrem Antritt als oberste Marktverantwortliche der Note

Kritiker werfen der EZB vor, mit dem billigen Geld die Inflation anzuheizen, die sie eigentlich im Zaum halten will. Der Verwaltungsratschef der französischen Großbank BNP Paribas, Jean Lemierre, widersprach: «Eine etwas höhere zugrundeliegende Inflation ist nicht schlecht. Sie wird helfen, die Ziele der EZB zu erreichen. Wir haben darauf lange gewartet.» Lemierre betonte: «Die wirkliche Frage von heute ist nicht Inflation. Es tut mir leid, das zu sagen. Die wirkliche Frage ist Wachstum. Werden wir es schaffen, von Erholung auf Wachstum umzuschalten?» Er sei da positiv gestimmt.

Entscheidung im Dezember

Der EZB-Rat will am 16. Dezember entscheiden, wie es mit den milliardenschweren Anleihenkäufen der Notenbank weitergeht. Nach bisheriger Planung läuft das zur Abfederung des Corona-Schocks aufgelegte Kaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme), das ein Volumen von 1,85 Billionen Euro hat, im März 2022 aus. Im EZB-Rat gibt es Sympathien für die Idee, die Flexibilität dieses Notkaufprogramms auf andere Anleihenkaufprogramme zu übertragen.

Es werde «auch nach dem erwarteten Ende der Pandemie-Notlage wichtig sein, dass die Geldpolitik - einschließlich einer angemessenen Kalibrierung der Ankäufe von Vermögenswerten - die Erholung und die nachhaltige Rückkehr der Inflation zu unserem Ziel von 2 Prozent unterstützt», erklärte Lagarde.

«Wir sind entschlossen, dafür zu sorgen, dass sich die Inflation mittelfristig bei unserem Ziel von 2 Prozent stabilisiert», betonte sie. «Heute wird die Inflation weitgehend durch die außergewöhnlichen Umstände, die durch die Pandemie entstanden sind, in die Höhe getrieben.» Daher müsse die Geldpolitik «geduldig und beharrlich bleiben», sagte die EZB-Präsidentin.

Inflation auch in Eurozone auf Rekordhoch .
Die Inflation im Euroraum hat sich weiter verstärkt. Im November hat die Teuerungsrate das höchste Niveau seit Bestehen des gemeinsamen Währungsraums erreicht. © picture-alliance/NurPhoto/N. Economou Provided by Deutsche Welle Die Verbraucherpreise in der Ländern der Eurozone haben sich im November im Schnitt um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat erhöht. Das teilte die EU-Statistikbehörde Eurostat am Dienstag auf Grundlage einer ersten Schätzung mit. Die Inflation in der Eurozone liegt somit nur leicht unter der in Deutschland.

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