Finanzen: Steigende Energiepreise: „Mehr als die Hälfte der Händler sieht sich in ihrer Existenz bedroht“

Teure Energie, fehlende Fachkräfte: Die Wirtschaft schlägt Alarm

  Teure Energie, fehlende Fachkräfte: Die Wirtschaft schlägt Alarm In Deutschland droht eine Rezession. Beim Arbeitgebertag in Berlin ist die Stimmung angespannt, die Rufe nach Finanzhilfen werden in der ganzen Republik immer lauter. © Bernd von Jutrczenka/dpa/picture alliance Bundeskanzler Olaf Scholz (l.) und Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger Im Winter im T-Shirt arbeiten? Beim Autohaus Rosier in Braunschweig war das für die Mechaniker in der beheizten Werkstatt bislang selbstverständlich. Besonders wärmebedürftige Autoverkäufer und Verwaltungsangestellte durften sogar Heizlüfter unter ihren Schreibtischen aufstellen, wenn es ihnen in ihren Büros nicht warm genug war.

Angesichts der hohen Inflation und der Sorge um weiter steigende Energiepreise leiden Einzelhändler unter der zunehmenden Kaufzurückhaltung der Verbraucher.  Foto: dpahttp://img-s-msn-com.akamaized.net/tenant/amp/entityid/AA12i5xW.img?h=152&w=270&m=6&q=60&o=f&l=f © Bereitgestellt von Wirtschaftswoche Angesichts der hohen Inflation und der Sorge um weiter steigende Energiepreise leiden Einzelhändler unter der zunehmenden Kaufzurückhaltung der Verbraucher.  Foto: dpadata-portal-copyright=

Vor den Beratungen von Bund und Ländern über ein drittes Entlastungspaket fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) mehr Unterstützung für die Branche. Andernfalls drohten Pleiten und Leerstand in den Innenstädten.

Vor den Beratungen von Bund und Ländern über ein drittes Entlastungspaket fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) mehr finanzielle Unterstützung für die Branche. Andernfalls drohten Pleiten und eine Zunahme des Leerstands in den deutschen Innenstädten. „Die Verunsicherung im Einzelhandel ist groß“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth der WirtschaftsWoche. Mehr als die Hälfte der Handelsunternehmen sehe sich durch die steigenden Energiepreise in ihrer Existenz bedroht.

Ford-Händler brauchen bald Erlaubnis vom Konzern, um Elektrofahrzeuge zu verkaufen

  Ford-Händler brauchen bald Erlaubnis vom Konzern, um Elektrofahrzeuge zu verkaufen Die Zertifizierung erfordert größere Investitionen seitens der Händler. © Shutterstock / Jonathan Weiss E-Autos von Ford könnten bald nur noch bei zertifizierten Händlern zu finden sein. Auf einer Konferenz mit dem Händlernetzwerk von Ford in den USA hat das Unternehmen bekannt gegeben, wie es künftig mit den Verkäufen ihrer Elektrofahrzeuge verfahren will. Ford-Händler, die E-Autos der Marke anbieten wollen, müssen dafür bis zu 1 Millionen US-Dollar investieren. Das berichtet Electrek, die auf der Veranstaltung präsent waren.

„Deshalb muss die Bundesregierung jetzt ihre Pläne für eine Gas- und Strompreisbremse zügig umsetzen und bis dahin ihre Hilfsprogramme nachbessern sowie die Zugangsbedingungen so ändern, dass auch durch die hohen Energiepreise in Not geratene Handelsunternehmen Zugang zu den Hilfen bekommen“, so Genth. „Alles andere nimmt die Pleite vieler betroffener Handelsunternehmen in Kauf.“ Der folgende Leerstand in den Stadtzentren würde im Anschluss deutlich höhere Investitionen der öffentlichen Hand notwendig machen, als wenn die Hilfsprogramme für alle auf Unterstützung angewiesenen Betriebe geöffnet würden, argumentiert Genth. „Ich warne hier vor teurer Kurzsichtigkeit. Und es geht auch um tausende Arbeitsplätze“, sagte Genth der WirtschaftsWoche.

Chemie: „Hier stehen Hunderttausende Jobs auf der Kippe“

  Chemie: „Hier stehen Hunderttausende Jobs auf der Kippe“ Chemie: „Hier stehen Hunderttausende Jobs auf der Kippe“Uwe Brunk arbeitet seit gut dreißig Jahren als Manager in der Chemiebranche. Zunächst war er für große Konzerne wie Bayer und Lanxess tätig, später wechselte er zum mittelständischen Hersteller CABB. Seit Oktober 2018 leitet er das Frankfurter Chemieunternehmen Weylchem mit mehr als 600 Millionen Euro Jahresumsatz. Weylchem stellt unter anderem Chemikalien für die Pharma- und Agrarindustrie sowie für Reinigungs- und Körperpflegemittel her. Das Unternehmen gehört zur International Chemical Investors Group in Luxemburg, die mehrere mittelgroße Unternehmen unter ihrem Dach vereint.

Angesichts der hohen Inflation und der Sorge um weiter steigende Energiepreise leiden Einzelhändler unter der zunehmenden Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Am Montag hatte das Münchner Ifo-Institut gemeldet, dass die Geschäftserwartungen der Einzelhändler auf ein historisches Tief gefallen seien. Für das zweite Halbjahr rechnet der HDE für den Einzelhandel insgesamt mit einem realen durchschnittlichen Umsatzrückgang von fünf Prozent zum Vorjahr. In einzelnen Branchen, insbesondere dem innerstädtischen Nonfoodhandel, liege der Umsatz jedoch immer noch um bis zu 20 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau aus 2019.

Kritik aus den Ländern

Bund und Länder wollen am Mittwoch über das dritte Entlastungspaket verhandeln, das die Ampel-Koalition Anfang September als Ausgleich für rasant steigende Preise vorgestellt hatte. Dazu zählen Einmalzahlungen für Rentner und Studierende und ein Preisdeckel für einen Grundbedarf an Strom. Aus den Ländern kam Kritik an der Aufteilung der Kosten, zudem haben mehrere Ministerpräsidenten weitere Entlastungen vom Bund gefordert. „Wir müssen in der Tat sehr aufpassen, dass uns nicht wirtschaftliche Substanz verloren geht – und zwar auf Dauer“, sagte etwa Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) im Interview mit der WirtschaftsWoche.

Deutschland am Rande der Rezession

  Deutschland am Rande der Rezession Die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges machen die Hoffnung auf eine kräftige Konjunkturerholung nach der Corona-Krise zunichte. Wie schlimm könnte es kommen und wann geht es wieder aufwärts?Der Konjunktureinbruch dürfte nach Einschätzung von Ökonomen in Deutschland heftiger ausfallen als in vielen anderen Ländern Europas, aber bei weitem nicht so schlimm wie im ersten Jahr der Corona-Krise 2020, als das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um mehr als vier Prozent geschrumpft war. Und es gibt Hoffnung, dass es bereits im Sommer 2023 wieder aufwärtsgeht.

Der Bremer Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) mahnte, der Energiepreisdeckel müsse jetzt kommen. „Die Menschen brauchen in unsicheren Zeiten schnellstmöglich Sicherheit. Sie müssen wissen, was auf sie zukommt und worauf sie sich einstellen können und müssen“, sagte er der „Welt“.

Auch der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sprach sich in der Zeitung für einen Energiepreisdeckel aus. „Die Strompreise müssen deutlich sinken und sich an den Herstellungskosten orientieren. Die Spritpreise müssen wieder mit den Rohölpreisen synchronisiert werden.“ Die rot-grün-gelbe Bundesregierung ringt derzeit um Maßnahmen, um den Anstieg der Gaspreise für Bürger und Unternehmen einzudämmen.

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