Sport: Wie es nach der EM um den Frauen-Fußball in NRW bestellt ist

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Düsseldorf. Die DFB-Frauen haben bei der Europameisterschaft begeistert. Aber wie ist es eigentlich um den Frauen-Fußball in Nordrhein-Westfalen bestellt. Immerhin kamen viele Nationalspielerinnen aus NRW.

 Wurde als beste junge Spielerin der EM ausgezeichnet: Lena Oberdorf wurde als Fußballerin in NRW ausgebildet. © Sebastian Christoph Gollnow Wurde als beste junge Spielerin der EM ausgezeichnet: Lena Oberdorf wurde als Fußballerin in NRW ausgebildet.

Lena Oberdorf war untröstlich am Sonntagabend. Ihr flossen die Tränen auch weit nach Abpfiff noch über die Wangen. Der Frust nach der knappen und unglücklichen 1:2-Niederlage im EM-Finale gegen England saß tief. Daran konnte auch zunächst die Auszeichnung zur besten jungen Spielerin des Turniers nichts ändern. Dass Prinz William ihr gratulierte, machte den Schmerz nicht wett. Tief in der Nacht, so lassen es Aktivitäten auf den Social-Media-Kanälen der Nationalspielerinnen vermuten, wurde aber auch bei ihr die Stimmung allmählich besser. Sie soll laut eines Berichts der „Bild“ sogar eine der Letzten gewesen sein, die ins Bett gefunden hat.

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Spätestens da dürfte der Schwester von Fortuna-Düsseldorf-Profi Tim Oberdorf in den Kopf gekommen sein, welch herausragendes Turnier sie gespielt hat. Und vielleicht hatte sie da auch einmal kurz daran gedacht, wie ihre Karriere, die sie aktuell zum VfL Wolfsburg geführt hat, angefangen hat. Nämlich in Nordrhein-Westfalen, wie von so vielen frischgebackenen Vizeeuropameisterinnen. Grund genug, um einmal darauf zu gucken, wie es eigentlich um den Frauen-Fußball in unserem Bundesland bestellt ist.

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Wie viel NRW steckt in den Vizeeuropameisterinnen?

Eine ganze Menge. Mit Sara Doorsoun (SpVg Wesseling-Urfeld), Marina Hegering (DJK Sportfreunde Lowick), Kathrin Hendrich (FC Teutonia Weiden), Sophia Kleinherne (SG Telgte), Nicola Anyomi (SuS Krefeld), Linda Dallmann (STV Hünxe), Lina Magull (Hörder SC), Lena Oberdorf (TuS Ennepetal), Alexandra Popp (FC Schwarz-Weiß Silschede) und Lea Schüller (Hülser SV) machten gleich zehn Spielerinnen ihre erste Fußball-Schritte in Vereinen dieses Bundeslandes. Drei von ihnen lernten das Fußball spielen gar am Niederrhein. Zudem wurde die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg in Duisburg geboren, spielte für den FCR Duisburg (heute im MSV aufgegangen) und sitzt im Aufsichtsrat von Fortuna Düsseldorf.

Wie viele Frauenmannschaften sind im Westdeutschen Verband gemeldet?

Der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) bündelt die drei Regionalverbände Niederrhein, Mittelrhein und Westfalen. Er vertritt mit seinen drei Mitgliedsverbänden etwa 1,8 Millionen Sportler in rund 4.500 Vereinen. Bei der letzten Erfassung 2020 waren in NRW 1059 Frauenmannschaften gemeldet. 2019 waren es allerdings noch 1291. Insgesamt sind beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Jahr 2020 bundesweit 5385 Frauen-Mannschaften angemeldet gewesen – etwa 600 weniger als noch 2019.

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Wie viele Mädchen und Frauen spielen in NRW in Vereinen Fußball?

Laut der Mitgliederstatistik des DFB waren 2020 insgesamt 260.398 Frauen und 101.199 Mädchen in Vereinen in NRW angemeldet. Zum Mädchen-Fußball werden die Mitglieder bis 16 Jahren gezählt. Kurioserweise stiegen die Mitgliederzahlen sowohl bei den Mädchen als auch bei den Frauen gegenüber 2019, obwohl es weniger gemeldete Mannschaften gab.

2011 fand in Deutschland die Frauen-Weltmeisterschaft statt. Wie entwickelte sich der Frauen-Fußball seitdem in NRW?

Rein statistisch gesehen hatte die Heim-WM zunächst keine große Auswirkung. Genaugenommen sank die Mitgliederzahl von 2011 bis 2012 sogar. Von 2012 bis 2020 stieg die Gesamtmitgliederzahl im WDFV von 216.250 auf 260.398. Eine Entwicklung hat im vergangenen Jahrzehnt also allemal stattgefunden, diese hat aber wohl nur geringfügig mit den Auswirkungen der Heim-Weltmeisterschaft von 2011 zu tun.

Was tut der WDFV zur Förderung des Frauen-Fußballs ins NRW?

2020 hat der WDFV eine Vereinsförderung für die stärksten Ideen für die Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs begonnen. „Wir versuchen, an der Basis mit eigenen Projekten aufmerksam zu machen und den Vereinen und Mannschaften zu zeigen: Wir sind für euch da. Ziel ist, nachhaltig mehr Spielerinnen für den Mädchenfußball zu begeistern und bestehende Mannschaften zu unterstützen“, wird die Ex-Nationalspielerin und Projektleiterin Maren Meinert auf der Homepage des Verbandes zitiert. Im vergangenen Jahr hatte der Verband so mit einer sogenannten Qualifizierungsoffensive die Ausbildung von Trainern und Trainerinnen gefördert.

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„Die westdeutschen Fußballverbände forcieren gerade die nächste Phase im Rahmen der Vereinsförderung im Mädchen- und Frauenfußball“, teilte der Verband auf Nachfrage der Rheinischen Post mit. Demnach unterstützen der WDF und die drei Landesverbände die Vereine in Nordrhein-Westfalen mit Starterkits für neu angemeldete Mädchen- oder Frauen-Mannschaften. „Die Vereinsförderung durch die westdeutschen Fußballverbände findet insgesamt einen großen Anklang. Bezüglich der Starterkits für neu angemeldete Mädchen oder Mannschaften liegen bereits über 100 Bewerbungen vor“, teilt der Verband mit und verweist darauf, dass die Ausschreibung noch bis Ende August läuft. Zur Jury gehört übrigens auch die Bundestrainerin Voss-Tecklenburg.

Und sonst?

Der DFB bewirbt sich zusammen mit Belgien und den Niederlanden für die WM 2027 – und NRW ist die Gastgeber-Region Deutschlands. Die sieben Städte Aachen, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Köln und Mönchengladbach haben ihre Bewerbungsunterlagen dafür eingereicht. Insgesamt sollen nach Wunsch des DFB vier Städte am Ende übrig bleiben. „Unser Anspruch ist es, die Spielorte zu finden, die ein weltklasse Frauenfußballturnier in Deutschland ausrichten können. Nicht nur auf infrastruktureller Ebene stellen wir uns hier höchsten Anforderungen, gerade auch das Thema Nachhaltigkeit, insbesondere für Frauenfußball, ist dabei ein ganz entscheidender Aspekt“, sagte DFB-Generalsekretärin Heike Ullrich.

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