Welt & Politik: Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz: So lief das TV-Triell auf ARD und ZDF

Bundestagswahl: „Scholz hat den Chefarzt-Habitus“ - Lehren aus dem TV-Triell der Kanzlerkandidaten

  Bundestagswahl: „Scholz hat den Chefarzt-Habitus“ - Lehren aus dem TV-Triell der Kanzlerkandidaten Bundestagswahl: „Scholz hat den Chefarzt-Habitus“ - Lehren aus dem TV-Triell der KanzlerkandidatenJede Äußerung, jede Bewegung, jeder Blick zählt: Je näher der Wahlabend rückt, desto genauer beobachten die Wähler die Kanzlerkandidaten. Wer wirkt nervös, wer erreicht die Zuschauer? Am Sonntag findet das zweite TV-Triell zwischen den Kanzlerkandidaten Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) statt. Hier haben die Zuschauer zum zweiten Mal die Chance, das Auftreten der Kandidaten zu vergleichen.

Corona, Klimaschutz, Steuern: Beim zweiten TV-Triell stritten Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz über viele Themen. Besonders hitzig wurde es gleich zu Beginn. Der Überblick.

  Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz: So lief das TV-Triell auf ARD und ZDF © Michael Kappeler / dpa

Zwei Wochen vor der Wahl sind Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grüne), Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU) erneut zum TV-Triell ums Kanzleramt angetreten.

Die drei Kanzlerkandidaten wurden bei ARD und ZDF zu vielen Themen befragt, unter anderem zum Klimaschutz und der Corona-Pandemie befragt. Als es um die Razzia im von Scholz geführtem Finanzministerium ging, kam das erste Mal richtig Streit auf.

Die Kandidaten schenkten sich nichts

  Die Kandidaten schenkten sich nichts Berlin. Beim zweiten von drei TV-Triellen haben sich die die Spitzenkandidaten von Union, SPD und Grünen nichts geschenkt. Armin Laschet und Olaf Scholz gerieten mehrmals aneinander – insgesamt bleib die Debatte aber fair. © Christophe Gateau Zuschauer verfolgen das TV-Triell auf einem Bildschirm. Armin Laschet muss parieren – gleich zu Beginn. Der Unionskanzlerkandidat wird beim zweiten großen TV-Duell der Kanzlerkandidaten, das diesmal bei ARD und ZDF ausgetragen wird, als Erstes gefragt, ob er auch als Juniorpartner in eine Regierung eintreten würde. Laschet will die Frage nicht beantworten.

Wer sagte was bei den unterschiedlichen Themen? Der Überblick.

Razzia im Finanzministerium und Geldwäsche

Hier wurde es das erste Mal richtig hitzig. Laschet warf Finanzminister Scholz Verantwortlungslosigkeit und Schludrigkeit als Minister vor. Scholz konterte damit, dass Laschet die Tatsachen verdrehe. Hintergrund der Auseinandersetzung ist eine Razzia im Finanzministerium wegen mutmaßlicher Verfehlungen bei der Financial Intelligence Unit (FIU), der Geldwäsche-Spezialeinheit des Zolls.

Scholz wurde von den Moderatoren gefragt, wie gefährlich die Durchsuchungen sein könnten. Er antwortete, die Untersuchungen seien »zur Unterstützung dieser Erkenntnisgewinnung durchgeführt worden, und das hat gar nichts mit den Ministerien zu tun, wo das stattgefunden hat«. Die Ministerien hätten »alles gemacht, was in dieser Frage notwendig ist«.

TV-Triell: Das waren die fünf großen Streitthemen beim Triell

  TV-Triell: Das waren die fünf großen Streitthemen beim Triell Beim zweiten Triell ging es hart zur Sache. Armin Laschet und Olaf Scholz traktierten sich – besonders bei einem Thema. © dpa Das zweite Duell wurde im Zdf übertragen. Das Triell war gerade fünf Minuten im Gange, da scheppert es im TV-Studio in Berlin-Adlershof richtig. Irgendetwas war umgefallen. „So wie es hier im Studio rumpelt, so spannend wird die Bundestagswahl“, sagte Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, die gerade das Wort hatte.Ordentlich geknallt hat es aber nicht nur in den Kulissen, sondern auch vor der Kamera.

Laschet warf Scholz umgehend Schönrednerei vor. »Sie haben die Aufsicht über (den Bereich) Geldwäsche«, hielt er ihm vor. Es sei unangemessen, wie der Minister im Zusammenhang mit den Durchsuchungen über die Justiz geredet habe. »Wenn die kommen, müssen Sie sagen hier, ich lege alles offen, und denen nicht vorschreiben, wie sie zu arbeiten haben.«

»Wenn mein Finanzminister so arbeiten würde wie Sie, hätten wir ein ernstes Problem«, sagte Laschet. Zudem kritisierte der Unionskandidat, dass der Bundesfinanzminister die Untersuchung der Staatsanwaltschaft bemängelt habe. Nur Populisten stellten die Unabhängigkeit der Justiz infrage. Scholz konterte, Laschet verdrehe die Dinge. »Herr Laschet, das müssen Sie sich vorwerfen lassen, ganz klar. Diesen falschen Eindruck haben Sie absichtlich erweckt.« Die Staatsanwaltschaft Osnabrück führe keine Untersuchungen gegen sein Ministerium, sondern habe Informationen zu einem Verfahren hinsichtlich der FIU gesucht.

TV-Triell: Hinter den Kulissen geht das Ringen weiter

  TV-Triell: Hinter den Kulissen geht das Ringen weiter TV-Triell: Hinter den Kulissen geht das Ringen weiterBerlin, Studio Adlershof, Sonntagabend um 18.50 Uhr: Als erste fährt Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock im grünen Wahlkampfbus vor dem Fernsehstudio vor. Auf der einen Straßenseite warten Journalisten und Fotografen, ihnen gegenüber Parteianhänger der Grünen, SPD und CDU mit Plakaten und Flaggen. Baerbock begrüßt die Wartenden und spricht kurz mit Grünenanhängern, aber auch den Parteifreunden der Konkurrenz.

Baerbock äußerte sich nicht direkt zu der Razzia. Sie verwies aber darauf, dass dem Staat jährlich 50 Milliarden Euro Steuergeld durch kriminelle Machenschaften verloren gingen.

Klimaschutz

Laschet und Scholz warfen sich bei wichtigen Klimaschutz-Fragen gegenseitig eine Blockade vor. Scholz betonte, die Union habe lange bestritten, dass für den klimagerechten Umbau der Wirtschaft mehr Strom nötig sei. Laschet monierte, die SPD habe Beschleunigungen bei Planungs- und Genehmigungsverfahren verhindert.

Baerbock machte deutlich, mit dem aktuellen Tempo der schwarz-roten Koalition würden Klimaziele deutlich verfehlt. Die nächste Bundesregierung müsse den Kohleausstieg auf das Jahr 2030 vorziehen. Bisher ist das Jahr 2038 vorgesehen.

Scholz sprach sich für einen moderaten Anstieg des CO2-Preises aus. Nicht alle Menschen könnten sofort auf ein neues Auto umsteigen, sagt er mit Blick auf den Benzinpreis. »Ich finde es richtig, bei der CO2-Bepreisung moderat vorzugehen.« Sowohl Scholz als Laschet betonen, dass die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung an die Bürger zurückgegeben werden müssten.

Koalitionen bei der Bundestagswahl: Wer kann mit wem?

  Koalitionen bei der Bundestagswahl: Wer kann mit wem? Ampel, Jamaika, Rot-Rot-Grün – nach der Wahl sind mehrere Bündnisse möglich. Welche Politik wäre zu erwarten, wie hieße das Spitzenpersonal und wo lägen Streitpunkte? © Felix Burchardt für ZEIT ONLINE; Bildmaterial: Getty Images Sie stünden für die Ampel: Christian Lindner (FDP), Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne). Nur noch wenige Tage sind es bis zur Wahl und alles scheint offen: vor allem welches Regierungsbündnis Deutschland am Ende regieren wird. Lange standen nicht mehr so viele Möglichkeiten im Raum.

Baerbock nannte den Klimaschutz »eine riesengroße Kraftanstrengung für unsere Gesellschaft«. Die Grünen wollten daher jährlich 50 Milliarden Euro zusätzlich investieren, etwa in Infrastruktur, Bahnausbau, Windkraftanlagen und Solaranlagen auf den Dächern von Neubauten. Es gelte jetzt zu handeln: »Sonst wird es richtig teuer.« Baerbock betonte, man müsse deutlich früher als – wie bislang geplant 2038 – aus der Kohleindustrie aussteigen. »Wir können doch nicht 17 Jahre weitermachen, als wäre nichts passiert.« Fossile Energie werde teurer werden, etwa beim Tanken und der Heizung. Die Grünen wollten aber einen Ausgleich schaffen.

Corona

Alle drei Kandidaten warben für mehr Corona-Impfungen. Baerbock kritisierte, dass es erst nach eineinhalb Jahren Pandemie von diesem Montag an eine bundesweite Aktionswoche gebe. Wenn man etwa bei Pflege und Kliniken in eine Situation komme, dass nicht genug Menschen geimpft seien, müsse auch die Frage einer Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen angegangen werden. Sie sprach sich dafür aus, dass es wie bei Schulkindern auch bei Arbeitnehmern Verpflichtungen zu regelmäßigen Corona-Tests geben müsse. Sie appellierte an die Bürger, sich impfen zu lassen.

Scholz wandte sich gegen eine Testpflicht am Arbeitsplatz. In Betrieben würden Testangebote ohnehin schon breitflächig genutzt. Laschet lehnte ein Impfpflicht ebenso ab.

Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz: So lief das letzte TV-Triell

  Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz: So lief das letzte TV-Triell Soziale Gerechtigkeit, Sicherheit – und endlich Digitalisierung: Beim finalen Triell diskutierten Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Armin Laschet über viele Themen. Vor allem zwei von ihnen gerieten mehrmals aneinander. © Sean Gallup / Getty Images In einer Woche entscheidet sich bei der Bundestagswahl, wer die besten Chancen hat, ins Kanzleramt einzuziehen. Zuvor haben sich die drei Kandidierenden von Union, SPD und Grünen – Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock – einen letzten großen Schlagabtausch im Fernsehen geliefert.Das Triell auf ProSieben, Sat.

Umgang mit umstrittenen Parteimitgliedern

Laschet und Baerbock wurden nach umstrittenen Mitgliedern ihrer Parteien befragt – Hans-Georg Maaßen (CDU) und Boris Palmer (Grüne). Gegen letzteren läuft ein Parteiausschlussverfahren.

Laschet antwortete nicht auf die Frage, ob er Maaßen wählen würde, nicht und verwies darauf, dass er selbst in Aachen zur Wahl gehe. »Herr Maaßen wird sich an den Kurs halten müssen, den ich als Parteivorsitzender und dann als möglicher Kanzler vorgebe.« Baerbock sagt, sie erwarte von der CDU, »dass sie die Brandmauer nach rechts voll und ganz schließt«. Laschet betont daraufhin eine klare Abgrenzung der Union gegenüber der AfD.

Die Entscheidung der Bundeskanzlerin, 2015 die Grenzen nicht zu schließen, sei »richtig« gewesen. »Die Rechte bekämpfe ich. Die gehören nicht in Parlamente. Die sind die geistigen Brandstifter, die am Ende zu solchen Morden führen wie an unserem Parteifreund Walter Lübcke«, sagte der CDU-Chef.

Baerbock warf Laschet vor, die Linkspartei mit der AfD gleichzusetzen und forderte den Unionskandidaten auf, sich klar zum Kampf gegen rechte Kräfte zu bekennen. Auch sie habe wegen rassistischer Äußerungen Palmers klar Position gegen den umstrittenen Tübinger Oberbürgermeister bezogen.

Ein weiteres TV-Triell wird es noch geben, am kommenden Wochenende - eine Woche vor der Wahl. Dann übertragen ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins.

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Baerbock, Laschet, Scholz : Die Spitzenkandidaten der Bundestagswahl 2021 – wer folgt auf Angela Merkel?2021 endet die Ära von Kanzlerin Angela Merkel. Am 26. September wählen die Bürger bei der Bundestagswahl über das Parlament indirekt eine neue Kanzlerin oder einen neuen Kanzler. Doch wer Merkels Nachfolge antritt, ist noch völlig offen.

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