Welt & Politik: Stimmen aus Politik und Wirtschaft: „Sehr gutes Zeichen, dass Rot-Rot-Grün keine Option ist“– Was Unternehmer und Spitzenpolitiker sagen

Susanne Hennig-Wellsow: Die Frau, die Rot-Rot-Grün verhandeln will

  Susanne Hennig-Wellsow: Die Frau, die Rot-Rot-Grün verhandeln will Wie schon in Thüringen will die Linke-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow ihre Partei nun im Bund in die Regierung führen. Doch glaubt sie wirklich selbst daran? © Karina Hessland/​imago images Die Vorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, würde gerne über ein rot-rot-grünes Bündis verhandeln. Das Kandidatenpodium beim Bauernverband ist absolviert, in einer knappen Stunde beginnt die nächste Videokonferenz mit der Partei. Dazwischen muss Susanne Hennig-Wellsow schnell noch etwas essen. Sie schaut nur kurz in die Karte und bestellt eine Portion Würzfleisch.

Die Union ist enttäuscht, will aber die Regierung führen. Bei SPD und FDP herrscht Feierlaune. In der Wirtschaft ist die Freude über ein Scheitern von Rot-Rot-Grün groß.

Er will die nächste Regierung anführen. © dpa Er will die nächste Regierung anführen.

Die ersten Hochrechnungen der Bundestagswahl zeigen ein enges Rennen zwischen SPD und Union. Die Grünen sind dritte Kraft, aber weit unter den Erwartungen geblieben. Freude herrschte bei der FDP, die ihr Ergebnis von 2017 noch verbessern kann. Die Linke ist hingegen abgestürzt und muss um den Einzug in den Bundestag bangen. Wer das Land regieren wird, ist noch unklar. Die Stimmen aus Politik und Wirtschaft:

Quick List: Schließen Rennen, in denen E-Mail-in Stimmzettel Wahlergebnisse

 Quick List: Schließen Rennen, in denen E-Mail-in Stimmzettel Wahlergebnisse OTTAWA entscheiden - Mehrere Bundes ridings kann kein gewähltes Mitglied des Parlaments bis zum Donnerstag oder sogar Freitag, als Wahlen Kanada die schwierige Aufgabe der Überprüfung und das Zählen weiter mehr als 850.000 Mail-in Stimmzettel. © freundliche Unterstützung von The Canadian Press Die Anzahl der Stimmen noch gezählt werden soll, Änderungen vorbehalten, da mehr Stimmen von der Rückkehr Büros und Wahllokale im ganzen Land verarbeitet werden.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak zeigt sich ernüchtert: „Das sind bittere Ergebnisse, das kann man auch nicht schönreden.“ Die Chance auf eine von der Union geführte Regierung bestehe aber: „Es gibt die Möglichkeit für eine Zukunftskoalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP.“ CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet sagte: „Mit dem Ergebnis können wir nicht zufrieden sein. Wir wollen eine Bundesregierung unter Führung der Union bilden.“

SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil sprach von einem „grandiosen Erfolg der SPD“, die Bürger hätten Olaf Scholz einen Vertrauensbeweis ausgestellt. „Die SPD hat den Regierungsauftrag. Wir wollen, dass Olaf Scholz Kanzler wird“, betonte er die Sicht der Partei auf die Wahl.

Die Grünen sind nicht ganz zufrieden. Mit „gebremster Schaum“ kommentierte Parteichef Robert Habeck das Ergebnis. „Wir haben deutlich zugelegt“, sagte der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner. Da die Partei ihr Wahlziel damit jedoch nicht erreichen konnte, könne er sich wegen der hohen Erwartungen nicht wirklich über das Ergebnis freuen. Die Partei müsse sehen, „was wir daraus für Lehren ziehen“.

Bundestagswahl 2021: Steuern, Digitalisierung, Rente: Was Spitzenpolitiker auf Ihre Leserfragen antworten

  Bundestagswahl 2021: Steuern, Digitalisierung, Rente: Was Spitzenpolitiker auf Ihre Leserfragen antworten Bei der Aktion „Ihre Frage zur Bundestagswahl“ hatten Leser und Leserinnen die Möglichkeit, ihre Fragen an Spitzenpolitiker zu stellen. Hier kommen deren Antworten. © dpa SPD, CDU/CSU und FDP wollen die Schuldenbremse beibehalten. In den vergangenen Wochen stellten Leserinnen und Leser Fragen an Olaf Scholz, Annalena Baerbock, Armin Laschet, Markus Söder, Christian Lindner und Friedrich Merz. Mehr als 250 Mails haben die Redaktion erreicht. Das Handelsblatt hat fünf Kernthemen identifiziert und die Antworten der Spitzenpolitiker zusammengetragen.

Heil ist begeistert von Wahlergebnis der SPD. Die Partei habe den Regierungsauftrag erhalten. © dpa Heil ist begeistert von Wahlergebnis der SPD. Die Partei habe den Regierungsauftrag erhalten.

Kubicki: „Wir wollen mitregieren“

Die FDP will sich noch nicht zu möglichen Koalitionen äußern: „Heute ist nicht der Zeitpunkt, um über Koalitionen zu sprechen“, sagte FDP-Generalsekretär Volker Wissing. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Freien Demokraten Wolfgang Kubicki stellte aber den Anspruch der Partei klar: „Wir wollen mitregieren. Wir sind zu Gesprächen bereit“, betonte Kubicki in der ARD.

Befürworter einer Regierungsbeteiligung der FDP finden sich auch außerhalb der Parteien. Professor Klaus Fischer, Inhaber der Unternehmensgruppe Fischer sagte am Abend, die FDP brauche es als „Korrektiv zwischen CDU und Grünen“ in einer Jamaika-Koalition. „Damit würde sich die schwierige Situation für uns als mittelständisches Familienunternehmen hoffentlich nicht noch weiter verschärfen“, sagte Fischer.

Treffen der Spitzenkandidaten: Die spannendste Debatte, die wichtigste Erkenntnis, der beste Kandidat: Drei Aha-Erlebnisse der Elefantenrunde

  Treffen der Spitzenkandidaten: Die spannendste Debatte, die wichtigste Erkenntnis, der beste Kandidat: Drei Aha-Erlebnisse der Elefantenrunde Bei ARD und ZDF buhlten Olaf Scholz, Armin Laschet, Markus Söder, Annalena Baerbock, Christian Lindner, Alice Weidel und Janine Wissler um unentschlossene Wählerinnen und Wähler. © dpa Sitznachbarn (v.l.): Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Janine Wissler Es ist sicher kein Zufall, dass Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock neben SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und der Parteivorsitzenden der Linken, Janine Wissler, platziert wurde.

Die Linke spricht von einem „schweren Schlag“ und nimmt Distanz von einer Regierungsbeteiligung. © dpa Die Linke spricht von einem „schweren Schlag“ und nimmt Distanz von einer Regierungsbeteiligung.

Linkspartei distanziert sich von Rot-Grün-Rot

Die Linkspartei bangt um ihren Einzug in den Bundestag. „Das ist ein schwerer Schlag für uns. Wir haben viele Fehler gemacht“, gab Susanne Hennig-Wellsow, die stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei zu. „Wir kämpfen um die fünf Prozent“, ergänzte Bundesgeschäftsführer Jörg Schindler am Sonntagabend in Berlin. 2017 erhielten die Linken noch 9,2 Prozent.

„Ein Regierungsauftrag sieht echt anders aus“, sagte der erste parlamentarische Geschäftsführer, Jan Korte, dem Handelsblatt. Erst einmal müsse die Linkspartei zurück in den Bundestag kommen. „Darauf hoffe ich, zittere ich und werde erst mal ein paar Bier darauf trinken“, so Korte. Alle anderen Debatten seien bei einer solch verheerenden Wahlniederlage fehlplatziert.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt zeigte sich bereit zu Gesprächen für die Regierungsbildung. „Es gibt verschiedene Koalitionsoptionen, die jetzt möglich sind“, sagte der CSU-Spitzenkandidat.

Bei einer Ampelkoalition: Lindners Lohn als Kanzlermacher: Finanzminister

  Bei einer Ampelkoalition: Lindners Lohn als Kanzlermacher: Finanzminister Ohne die Trophäe Finanzministerium würde der FDP-Chef kaum in keine Ampel-Koalition eintreten können. Sein Chancen, dass er den Posten am Ende auch bekommt stehen gut. © dpa Der FDP-Chef will Bundesfinanzminister werden. Als Trainer-Legende Pep Guardiola 2013 als Coach des FC Bayern anfing und zur Transferpolitik des Sommers gefragt wurde, machte er eine Bemerkung, die es in die Geschichtsbücher der Bundesliga schaffen sollte: „Thiago oder nix.

Fischer hofft auf die FDP in der Bundesregierung. © dpa Fischer hofft auf die FDP in der Bundesregierung.

Erleichterung bei Unternehmern


Video: Bundestagswahl hat begonnen - knapper Ausgang erwartet (dpa)

Das schlechte Abschneiden der Linkspartei sorgte für Erleichterung beim Verband der Familienunternehmer: „Rot-Rot-Grün wäre ein Worst-Case-Szenario für die Zukunft des Industriestandorts Deutschland gewesen. Es ist ein sehr gutes Zeichen für die Stabilität, dass Rot-Rot-Grün offenbar keine Option ist. Dafür haben wir Familienunternehmer uns starkgemacht“, sagte der Verbandspräsident Reinhold von Eben-Worlée am Sonntagabend.

Er hoffe, dass sowohl Grüne als auch FDP an der nächsten Bundesregierung beteiligt sein werden: „Aus Gelb und Grün könnte eine Klimaschutzpolitik entstehen, die tatsächlich CO2-Emissionen marktwirtschaftlich einspart und nicht nur erneuerbaren Energien planwirtschaftlich verteuert.“

Ähnlich sieht es auch Martin Herrenknecht, Vorstandschef des Tunnelbauunternehmens Herrenknecht: „Zunächst ist erst mal gut, dass Rot-Rot-Grün offenbar vom Tisch ist. Ansonsten bleibt es an der Spitze knapp, bei der Bundestagswahl 2021 gibt es keinen echten Sieger. Es bleibt also genug Spielraum für Vernunft und eine Koalition von Fortschritt und Modernisierung. Nur mit einer starken Zukunftsagenda werden Deutschland und die Bürgerinnen und Bürger zu echten Gewinnern.“

Stimmung in den Parteizentralen: Jubel und Enttäuschung sind sich ganz nah – Eindrücke unserer Reporter von den Wahlpartys

  Stimmung in den Parteizentralen: Jubel und Enttäuschung sind sich ganz nah – Eindrücke unserer Reporter von den Wahlpartys Bedrückende Stille bei der Union, erst Jubel, dann Anspannung bei SPD und Grünen, Vorfreude bei der FDP: Kaum eine Partei kann ausgelassen feiern . Die Reaktionen der Partygäste sind vielsagend. © dpa Das Konrad-Adenauer-Haus am Wahlabend – inklusive Schatten von Spitzenkandidat Armin Laschet. Auch mehrere Stunden nachdem die Wahllokale geschlossen haben, ist die Bundestagswahl 2021 noch nicht entschieden. Die Stimmung in den Parteien hat fast mehr Aussagekraft als die nackten, vorläufigen Zahlen.

„Nur mit einer starken Zukunftsagenda werden Deutschland und die Bürgerinnen und Bürger zu echten Gewinnern.“ © dpa „Nur mit einer starken Zukunftsagenda werden Deutschland und die Bürgerinnen und Bürger zu echten Gewinnern.“

Schnelle Regierungsbildung gefordert

IG Metall Bezirksleiter Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger siegt große Herausforderungen für die nächste Regierung: „Wer am Ende regiert, muss Klimaschutz und nachhaltige Industriepolitik zusammendenken und darf die soziale Komponente dabei nicht vergessen.

Es gilt, den Industriestandort zu stabilisieren und den Klimaschutz auszubauen und somit für sichere und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu sorgen. Dafür müssen die Unternehmen und die öffentliche Hand massiv investieren, es braucht eine Arbeitsmarkpolitik, die den Wandel begleitet, und die Lasten müssen fair verteilt werden.“

Es dürfe jetzt keine monatelange Hängepartie geben, sagt die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae. „Wir brauchen schnellstmöglich eine Koalition für Klimaschutz und Energiewende. Egal welche Koalition es am Ende sein wird: Jede neue Regierung muss schnell ins Handeln kommen.“ Das sei angesichts der Ziele und Vorgaben aus dem deutschen Klimaschutzgesetz und dem „Fit for 55“-Paket der Europäischen Union unerlässlich.

Die Regierungsbildung soll schnell gehen und die neue Regierung schnell handeln können. © dpa Die Regierungsbildung soll schnell gehen und die neue Regierung schnell handeln können.

„Jetzt geht es darum, aus einem nicht einfachen Wahlergebnis eine zukunftsorientierte handlungsfähige und reformorientierte Bundesregierung zu bilden“, sagte der Bundesgeschäftsführer des Mittelstandsverbandes BVMW, Markus Jerger, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Unternehmen bräuchten vor allem Planungssicherheit. „Der Wirtschaftsstandort Deutschland kann sich nicht schon wieder eine Regierungsbildung leisten, die sich zäh über Monate hinschleppt“, warnte Jerger.

Ergebnisse der Wahl: Union verliert ihre „Bastion 60plus“, Grüne sind bei Akademikern stark – die Wahl in Zahlen

  Ergebnisse der Wahl: Union verliert ihre „Bastion 60plus“, Grüne sind bei Akademikern stark – die Wahl in Zahlen CDU und CSU verlieren Hundertausende Wähler an andere Parteien. Die AfD ist bei Männern deutlich beliebter als bei Frauen. Die spannendsten Zahlen zur Bundestagswahl. © dpa SPD und Union sind vor allem bei älteren Wählern beliebt. Das politische Stimmungsbild in Deutschland hat sich gedreht: Die SPD liegt laut vorläufigem Endergebnis mit 25,7 Prozent vor der Union, die mit 24,1 Prozent ein historisch schlechtestes Ergebnis einfährt. Verloren haben CDU und CSU Wähler laut Analyse vor allem an die Sozialdemokraten. Beliebt sind die beiden Volksparteien vor allem bei älteren Wählern.

Der Präsident des Bundesverbands Deutsche Start-ups, Christian Miele, hat trotz der knappen Hochrechnungen eine schnelle Regierungsbildung gefordert. „Wir brauchen schnell eine neue Bundesregierung und keine langwierigen Sondierungs- und Verhandlungsphasen“, sagte Miele dem Handelsblatt. Nach der Wahl müsse es jetzt heißen: „Blick nach vorn und die Themen anpacken.“

Die Baustellen mit Blick auf Start-ups und Digitalisierung seien gewaltig. In den ersten 100 Tagen solle die neue Bundesregierung eine umfassende „Start-up-Strategie“ auf den Weg bringen. „In den Fokus gehören die Themen Talente, Kapital und fairer Wettbewerb“, erklärte der Unternehmer.

Mit Agenturmaterial

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Vetomacht Bundesrat : Ob Ampel oder Jamaika - da ist immer noch die zweite Kammer... .
Weder Rot-Grün-Gelb noch Schwarz-Grün-Gelb hätten eine Mehrheit in der Länderkammer. Wie sind die Stimmenverhältnisse? Können sie sich bald ändern? © Foto: Alexander Rüsche/dpa Der Bundesrat ist eine Machtbastion in der Bundespolitik. Im neu gewählten Bundestag schütteln sich die Dinge irgendwann zurecht im Herbst oder Winter. Dann steht die Regierungsmehrheit: Rot-Grün-Gelb oder Schwarz-Grün-Gelb, Ampel oder Jamaika. Oder vielleicht Rot-Schwarz? Die Verhältnisse sind dann klar: Regierungsmehrheit hier, Opposition da. In der anderen Kammer ist es anders.

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