Welt & Politik: Ergebnis der Bundestagswahl: Drei Gründe, warum für die FDP ein Wahltraum wahr wurde

Baerbock, Laschet, Scholz : Die Spitzenkandidaten der Bundestagswahl 2021 – wer folgt auf Angela Merkel?

  Baerbock, Laschet, Scholz : Die Spitzenkandidaten der Bundestagswahl 2021 – wer folgt auf Angela Merkel? Baerbock, Laschet, Scholz : Die Spitzenkandidaten der Bundestagswahl 2021 – wer folgt auf Angela Merkel?2021 endet die Ära von Kanzlerin Angela Merkel. Am 26. September wählen die Bürger bei der Bundestagswahl über das Parlament indirekt eine neue Kanzlerin oder einen neuen Kanzler. Doch wer Merkels Nachfolge antritt, ist noch völlig offen.

Die Liberalen haben sich im Vergleich zur vorangegangenen Bundestagswahl kaum verbessert. Trotzdem hätte es für sie am Sonntagabend nicht besser laufen können.

Dem FDP-Parteivorsitzenden Christian Lindner (links) und der Parteispitze bleiben alle Optionen zur Regierungsbildung offen. © dpa Dem FDP-Parteivorsitzenden Christian Lindner (links) und der Parteispitze bleiben alle Optionen zur Regierungsbildung offen.

Es waren keine Jubelstürme, die am Sonntagabend im Hans-Dietrich-Genscher-Haus ausbrachen, als die ersten Prognosen auf den Bildschirmen erschienen. Ein solides Ergebnis der Liberalen von elf bis zwölf Prozent bekam einen soliden Applaus. Mehr nicht. Einige in der FDP hatten wohl heimlich von mehr geträumt, von einem kleineren Abstand zu den Grünen, vielleicht sogar von Platz drei.

Bei einer Ampelkoalition: Lindners Lohn als Kanzlermacher: Finanzminister

  Bei einer Ampelkoalition: Lindners Lohn als Kanzlermacher: Finanzminister Ohne die Trophäe Finanzministerium würde der FDP-Chef kaum in keine Ampel-Koalition eintreten können. Sein Chancen, dass er den Posten am Ende auch bekommt stehen gut. © dpa Der FDP-Chef will Bundesfinanzminister werden. Als Trainer-Legende Pep Guardiola 2013 als Coach des FC Bayern anfing und zur Transferpolitik des Sommers gefragt wurde, machte er eine Bemerkung, die es in die Geschichtsbücher der Bundesliga schaffen sollte: „Thiago oder nix.

Und doch hätte es für die Liberalen an diesem Wahltag kaum besser laufen können. Denn es waren vor allem die Ergebnisse der anderen Parteien, die der FDP einige lang gehegte Wünsche erfüllten.

1. Es reicht nicht für Rot-Grün(-Rot)

Der lauteste Jubel war von den anwesenden FDP-Anhängern am Wahlabend zu hören, als die möglichen Regierungsoptionen aufgezeigt wurden. Denn eines wurde klar: Für eine Koalition aus SPD und Grünen würde es nicht reichen, auch nicht in Kooperation mit der schwachen Linkspartei.

Einen „Linksrutsch“ zu verhindern hatte sich die FDP im Wahlkampf als Ziel gesetzt. Es scheint, als wäre ihnen das geglückt. Ob das am FDP-Wahlkampf lag oder an den Schwächen der anderen Parteien, sei dahingestellt. Aber Parteichef Christian Lindner verkündete am Wahlabend: „Die Bürgerinnen und Bürger wollen eine Regierungsbildung aus der Mitte heraus.“

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  Was Sie zur Bundestagswahl 2021 in Hamm wissen müssen Hamm. Am 26. September 2021 wird der neue Bundestag gewählt. Wer tritt in Hamm an? Wie schnitten die Parteien vor vier Jahren ab? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Wahl. © Kay Nietfeld Eine Sitzung des Deutschen Bundestags findet im Plenarsaal statt. Zu welchem Wahlkreis gehört Hamm? 1/3 BILDERN © Bereitgestellt von RP ONLINE 2/3 BILDERN © Bereitgestellt von RP ONLINE 3/3 BILDERN © Bereitgestellt von RP ONLINE Die westfälische Stadt Hamm ist Teil des Wahlkreises 145 Hamm – Unna II.

Die Freude über den verhinderten Linksrutsch hatte nicht nur ideologische Gründe. Damit wäre auch die einzig realistische Koalitionsoption vom Tisch, die eine Regierungsbildung an der FDP vorbei möglich gemacht hätte.

2. CDU und SPD liegen nicht so weit auseinander

Es gibt ein Wort mit K, das der FDP schon vor der Wahl angedichtet wurde und das die Partei wohl auch nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses nicht loswerden wird: Königsmacher. Es sei an den Liberalen, daher die Wortschöpfung, den neuen König beziehungsweise Kanzler der Bundesrepublik zu krönen – mit einer Entscheidung für die Union von Armin Laschet oder die SPD von Olaf Scholz.

Vor der Wahl hatte die FDP jedem, der es hören wollte, dazu eine kleine konstitutionelle Nachhilfe gegeben: Das Recht, dass die größte Fraktion den Kanzler stellen dürfte, gebe es nicht. Sollte heißen: Auch ein zweiter Platz der Union wäre kein Ausschlusskriterium gegen einen Kanzler Laschet und die von den Liberalen präferierte „Jamaika-Option”.

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  Stimmen aus Politik und Wirtschaft: „Sehr gutes Zeichen, dass Rot-Rot-Grün keine Option ist“– Was Unternehmer und Spitzenpolitiker sagen Stimmen aus Politik und Wirtschaft: „Sehr gutes Zeichen, dass Rot-Rot-Grün keine Option ist“– Was Unternehmer und Spitzenpolitiker sagenDie ersten Hochrechnungen der Bundestagswahl zeigen ein enges Rennen zwischen SPD und Union. Die Grünen sind dritte Kraft, aber weit unter den Erwartungen geblieben. Freude herrschte bei der FDP, die ihr Ergebnis von 2017 noch verbessern kann. Die Linke ist hingegen abgestürzt und muss um den Einzug in den Bundestag bangen. Wer das Land regieren wird, ist noch unklar.

Und doch wäre es mit jedem Prozentpunkt Abstand zwischen einer erstplatzierten SPD und einer zweitplatzierten Union schwerer gefallen, dieses Mantra aufrechtzuerhalten. Denn so ganz am Bürgerwillen vorbei hätte auch die FDP ihre Rolle als Königsmacherin nicht ausüben können. Weit ist die SPD der Union an der Spitze nicht voraus, sodass die Liberalen bei ihrem Plan bleiben können, sich alle Optionen erst einmal offenzuhalten.

3. Die Grünen sind stark, aber nicht zu stark

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine neue Regierung aus FDP und Grünen bestehen wird, ist groß. Geflirtet hatte die FDP mit den Grünen bereits im Wahlkampf. Die Grünen hätten „gute Ideen“, nur bei der Finanzierung müsse man ihnen assistieren, hatte der Parteivorsitzende Christian Lindner noch auf dem Parteitag vor der Bundestagswahl kokettiert. Ein Hinweis auf seine persönlichen Ambitionen, Finanzminister werden zu wollen – eine Kernforderung, mit der die FDP in anstehende Koalitionsverhandlungen gehen dürfte.

Auch am Wahlabend hatte Christian Lindner das Ergebnis der Grünen als „bemerkenswert“ gelobt. Jedenfalls für die FDP ist das Abschneiden der Ökopartei ideal: Sie sind zu schwach, um Rot-Grün möglich zu machen, aber stark genug, um mit den Liberalen gemeinsam eine Allianz der Mittelstarken zu bilden, die am Ende die Kanzlerfrage entscheiden könnte.

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Ein erstes Abtasten in den nächsten Tagen wird wohl zwischen FDP und Grünen stattfinden, ehe sich die großen Parteien zu den Verhandlungen hinzugesellen dürfen. Am Ende bleibt die Frage, wer wen auf welche Seite ziehen kann. Können die Grünen die FDP zu einer Ampelkoalition überreden? Oder überzeugt die FDP die Grünen mit Jamaika? Und in beiden Fällen lautet die große Frage: wie hoch wäre der Preis?

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