Welt & Politik: Sprache und Politik: Worte wie modrige Pilze

Interview: Röttgen über die CDU: „Wir brauchen einen umfassenden Erneuerungsprozess“

  Interview: Röttgen über die CDU: „Wir brauchen einen umfassenden Erneuerungsprozess“ Interview: Röttgen über die CDU: „Wir brauchen einen umfassenden Erneuerungsprozess“

Freiheit, Staat, Wachstum: Der zurückliegende Wahlkampf hat auch gezeigt, dass die alten Begriffe verbraucht sind. Eine zukunftsgemäße Politik braucht eine neue Sprache.

Eine hohe Amplitude bedeutet nicht, dass beim Sprechakt auch etwas Schönes rauskommt. © loops7/​Getty Images Eine hohe Amplitude bedeutet nicht, dass beim Sprechakt auch etwas Schönes rauskommt.

Politik sei die Kunst des Möglichen, sagte einmal ein früherer deutscher Kanzler und hatte dabei weder die Kunst noch die Möglichkeit im Sinn – Otto von Bismarck wollte im Gegenteil die Wirklichkeit in den Eisengriff der Visionslosigkeit fassen, Realismus genannt.

Was dieser Realismus ist, im Zeitalter der Klimakrise, darüber wurde im zurückliegenden Wahlkampf gestritten – und auch hier wurden die Worte verdreht, so wie es in das jeweilige politische Korsett passte: Realismus, oft auch unter dem Pseudonym der Vernunft bekannt, bilde den Rahmen der notwendigen und möglichen Veränderungen.

Antoni Porowskis Lazy Pierogi mit wilden Pilzen, Kohl und Pflaumen

 Antoni Porowskis Lazy Pierogi mit wilden Pilzen, Kohl und Pflaumen © Paul Brissman / Antoni: Lassen Sie das Abendessen traditionelle Pierogi- -polnische -gefüllte Knödel (und nicht die gefrorene Art) -Ein-Love of Love. Wir können uns normalerweise keinen ganzen Tag angeben, um das Abendessen zu machen, aber wir sehnen sich in der Kissen, weiche Bisse, also wenden wir uns an Antoni Porowskis Rezept für Lazy Pierogi, von seinem neuen Kochbuch, Antoni: Lassen Sie uns das Abendessen machen.

Was zu einem Missverständnis über Möglichkeiten führt; denn Möglichkeit und Unmöglichkeit stehen ja nicht im Widerspruch; im Grunde meinen sie das Gleiche: Das Mögliche ist oft das Unmögliche minus Macht. Das bedeutet, was bestimmte Interessen bedient, wird als unvernünftig oder unrealistisch diskreditiert. Die Frage ist aber, wem oder was man die größte Macht zubilligt.

Im Zeitalter der umfassenden Krise kommt man mit Verkümmerungspolitik nicht weiter: Die Herausforderungen sind zu groß, die Notwendigkeiten zu evident, die Transformationen zu eklatant – die Ansprache muss eine andere sein, denn die Veränderungen sind im Denken so umfassend wie im Handeln.

Die Politik (und hier ist eine gewisse Generalisierung durchaus plausibel, weil fast alle Parteien so kommunizieren) scheut vor dieser Ansprache zurück, das hat dieser Wahlkampf wieder einmal gezeigt. Die erlernte Selbstverzwergung hat zur Folge, dass den Parteien die Worte, wie es ein weiterer konservativer Stichwortgeber sagte, im Munde zerfallen "wie modrige Pilze".

Ross County sagt "keine rassistische Sprache" in Jeandro Fuchs-Vorfall, verurteilt Dundee United Manager 'Unverantwortliche Reaktion

 Ross County sagt Ross County hat auf Samstags Niederlage in Dundee United auf Vorwürfe des Rassismus von den Fans des Clubs reagiert. © Ross County CEO Steve Ferguson. (Foto von Craig Foy / SNS Group) Heim Mittelfeldspieler Jeandro Fuchs behauptete er rassistische Bemerkungen zu hören, wie seine Seite das erste Tor gefeiert und berichtet diese an die Bank, eine sofortige Diskussion zwischen den beiden Vereinen auffordert.

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) war Chronist eines anderen Zeitalters des Sprachverfalls und damit des Weltenschwundes. Doch auch er wusste: Mit den Worten verlieren wir die Wirklichkeit und damit die Möglichkeit zur Veränderung. Nur das, was wir benennen können, ist nah und offen genug, um es in die Realität zu übersetzen.

Darum ist die Sprachkrise eben auch eine Politikkrise. Und umgekehrt: Ein reduktionistisches Verständnis von Rationalität hat die Möglichkeitsräume der Politik fatal eingeschränkt; die modrigen Pilze unserer Zeit sind Worte wie "Freiheit", "Individuum", "Staat", "Markt" oder "Wachstum", "Mitte" oder "bürgerlich".

Diese Worte sind sinnentleert, weil sie mehr Postulat sind als Einladung. Sie sind oft konträre Setzungen, wo eigentlich ein Gespräch darüber entstehen sollte, wie Gesellschaft gelingen kann. Die Worte suggerieren eine Eindeutigkeit, die sie nicht hergeben, weil sie enthistorisiert und entkontextualisiert sind und damit schwer greifbar: Chiffren im deutschen Schrumpf-Diskurs.

Wird Laschets Jamaika-Versuch sabotiert?: Nächster Sondierungs-Leak – Grüne sauer auf die Union

  Wird Laschets Jamaika-Versuch sabotiert?: Nächster Sondierungs-Leak – Grüne sauer auf die Union Alle sollen schweigen, das klappt nicht. Auch aus der Unions-Runde mit den Grünen dringen Details raus. Armin Laschets Jamaika-Träume werden erschüttert. © Foto: Michael Kappeler/dpa Am Dienstagvormittag haben Union und Grüne sondiert. Armin Laschet ist noch halbwegs hoffnungsfroh, als er auf dem Euref-Campus mit Annalena Baerbock, Robert Habeck und Markus Söder das Podium zum Pressestatement betritt. Klar es gebe Gegensätze zwischen Union und Grünen, aber die ließen sich überwinden. Die Union sei jedenfalls bereit, "bei dieser Grundidee einer Modernisierung des Landes Tempo zu machen.

Verbunden mit diesen Worten sind wichtige Fragen, die allerdings in der politischen Diktion unserer Tage verschluckt werden. Es sind Fragen, die sich auf Gerechtigkeit beziehen, Gemeinschaft, Eigentum, Würde, Leben; aber auch viele dieser Worte sind so alt und schwer für die Gegenwart nutzbar. Es fehlt die Offenheit, die Wärme und Emotion, die Konkretion.

Die Sprache, in die wir politische Fragen kleiden, ist abgenutzt, sie ist routiniert wie viele der Abläufe der repräsentativen Demokratie. Die Worte sind Produkte eines notwendig philosophischen Nachdenkens über Politik, so wie sich die Demokratie geformt hat im 17. und 18. Jahrhundert in einem Prozess der Abstraktion. Im Zeitalter radikaler Transformation sind andere Worte wichtig, die Theorie mit Erfahrung verbinden.

Die Veränderungen, die uns bevorstehen, sind existentiell, weil sie ins Wesentliche des Lebens eingreifen, so wie wir es kennen. Das muss nicht negativ sein, auch wenn viele Konsequenzen des menschengemachten Klimawandels besonders für die, die noch im Globalen Süden leben, mit massiver Bedrohung ihrer Lebensgrundlagen einhergehen. Um so wichtiger ist eine Sprache, die offen ist für diese Bedrohung, für Angst, Zweifel genauso wie Hoffnung, Utopie, Empathie; eine Sprache, die verbindet und nicht trennt.

Plauderei mit Folgen: Warum Durchstechereien die Jamaika-Pläne durchkreuzt haben könnten

  Plauderei mit Folgen: Warum Durchstechereien die Jamaika-Pläne durchkreuzt haben könnten Indiskretion hat die Gespräche zwischen Union, FDP und Grünen schwer belastet. Wer geplaudert hat, ist nicht überliefert. Für CDU-Chef Laschet sind die Durchstechereien unschön, für die FDP womöglich hilfreich.Vielleicht wird es irgendwann einmal heißen, dass dies die Augenblicke waren, die den Ausschlag gegeben haben. Und vielleicht wird Armin Laschet irgendwann mit einer abgeklärten Milde auf diese Momente zurückblicken können, wenn die Zeit die nötige Distanz dafür geschaffen hat. Ganz gleich, wie das nun alles ausgehen mag.

Vom britischen Historiker Benedict Anderson stammt die Formulierung, dass die Nation eine "vorgestellte Gemeinschaft" ist, besser verständlich im Englischen als "imagined community" – verbunden werden die Menschen in einem Staat also durch gemeinsame Erzählungen, Geschichten, durch Vorstellungskraft und Imagination, wer wir waren und wer wir sein könnten.

Anderson verwendet diesen Begriff zur Kritik des Nationalstaates. Im Zeitalter der Globalisierung, selbst wenn sie in vielem gescheitert ist, und des Klimawandels, der staatliche Grenzen entweder obsolet macht oder in Festungsmauern verwandeln wird, ist aber genau diese gemeinsame Vorstellungskraft wichtig. Nur mit ihr lassen sich neue Formen der auch politisch formulierten Gemeinschaft finden, die dann wiederum über diesen nationalstaatlichen Vorstellungsrahmen hinausweisen müssen.


Galerie: Benzin in Großbritannien: Mangel in Massen (dw.com)

Autofahrer in Großbritannien sind aktuell wirklich nicht zu beneiden. Denn wer dort gerade mit dem Auto unterwegs ist und tanken muss, der steht meist einer von zwei möglichen Situationen gegenüber. Die erste ist die, die auf diesem Bild zu sehen ist: Eine überfüllte Tankstelle, vor der Autos in langen Schlangen warten.

Die Diskussionen im deutschen Wahlkampf allerdings – und auch die damit verbundenen parteipolitischen Programme – blieben zuletzt weit hinter diesem notwendigen Anspruch zurück. Es waren Scharmützel der Sprachlosigkeit, tonloses Gerangel, Begriffsbegräbnisse – und wenn die Worte fehlen, ein Morgen zu beschreiben, bleibt Politik fast zwangsläufig im Status quo verhangen, Verwaltungspolitik.

40 Regeln Die Besetzung von 'unter dem Deck' muss

 40 Regeln Die Besetzung von 'unter dem Deck' muss folgen, es ist Ende 2019 in einem Wald außerhalb von Acton, Ont., Und Schriftsteller-Regisseur Danis Goules Jacke ist mit Regen glatt. Es ist so kalt, dass fast jeder an den Night Raiders Set fühlt, dass es durch ihre Stiefel hineinsickern kann. Aber sie konzentriert sich nicht auf nichts davon. Goulet hat ihre Augen in der Zukunft. "Ich denke, wir sind auf dem Abgrund eines goldenen Zeitalters des indigenen Kinos", sagte sie.

Der britische Filmemacher Adam Curtis hat dieses Phänomen in seinem Film HyperNormalisation gut beschrieben: In den Siebzigerjahren verwandelte sich der Politikstil der westlichen Demokratien, das Vertrauen in die eigene Gestaltungsmacht der Politik ging verloren und wurde ersetzt durch einen Managerstil als Politikersatz – verwalten statt gestalten, eine bürokratisierte Sprache, ständiger Vollzug.

Es war die Zeit, in der sich der Kapitalismus verwandelte, das Ende der "trente glorieuses", wie es etwa Thomas Piketty genannt hat, des "Wirtschaftswunders", wie die Nachkriegszeit in Deutschland oft bezeichnet wird, eine spezifische Wachstumsphase und eine Anomalie, den Folgen des Krieges geschuldet.

Die Jahrzehnte, die danach kamen, zwischen 1980 und wahlweise 2008 oder 2020, waren geprägt von normativen Setzungen, die der Logik des Neoliberalismus gehorchten, Werte des Marktes, die ins Soziale eindrangen, eine Verarmung der Wirklichkeit, ein Schwinden der Möglichkeitsräume im Angesicht der postulierten "Alternativlosigkeit" (Margaret Thatcher und Angela Merkel) – auch diese Ära geht nun zu Ende und damit auch die Sprache, die ihr als Begründung und Machtmittel diente.

Noch fehlen die Worte, um das Neue zu beschreiben, in diesem Moment, der sich so lange dehnt; auch weil die Worte schwer zu finden sind, wenn sie zugleich bedingen, dass das Neue gesehen und verstanden wird. So ist dann das Alte zwar gestorben, das Neue schon da, aber noch nicht mächtig. Und weil die Worte fehlen, fehlt auch die Erzählung, die notwendig ist, um Veränderung vorstellbar zu machen und zu vollziehen.

Corona in Deutschland : Das Coronavirus dominiert seit Januar 2020 den Alltag in Deutschland – die Chronik

  Corona in Deutschland : Das Coronavirus dominiert seit Januar 2020 den Alltag in Deutschland – die Chronik Der Alltag wird für Geimpfte durch 2G- und 3G-Regeln immer leichter. Erste Lockerungen treten in Kraft. Die Zusammenfassung der aktuellen Lage und der Entscheidungen seit Ausbruch von Covid-19. © dpa Die Corona-Entwicklung und aktuelle Zahlen in Deutschland in der Zusammenfassung: Vom aktuellen Stand bis zum ersten Lockdown 2020. Weltweit steigt die Zahl der Infizierten - aber langsamer. In Deutschland werden zwar immer neue Ansteckungs- und Todesfälle durch das Coronavirus bekannt. Es gibt eine Art Rückkehr zur Normalität, aber nur mit Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln.

Erst aus der Erzählung, von sich selbst, von anderen, entsteht die Möglichkeit des Neuen. Es geht dann auch nicht stumpf um "Innovationen", wie das im Wahlkampf etwa in Bezug auf Technologie und Klimawandel oft gesagt wurde – es geht darum, Erfindungen oder technologische Entwicklungen in einen Kontext zu setzen, ein Ziel zu formulieren, als gesellschaftlicher Prozess, und daraus eine gemeinsame Geschichte zu schaffen.

Gerade für die Linke oder für fortschrittliche und Veränderungskräfte gilt das. Die Kräfte der Beharrung tun sich leicht, indem sie sich auf die alten Worte zurückziehen, in sprachliche Trutzburgen wie die "Entfesselung der Wirtschaft", wie es Armin Laschet formuliert hat; oder auch Christian Lindners Verwendung des Wortes "Freiheit", weil dieser Begriff von Freiheit offensiv getrennt ist von sozialer Realität, und zwar weltweit ebenso wie national. Beiderseits schwinden schließlich bereits akut und vor allem langfristig die Zugänge zu Freiheit, wie Lindner sie meint, indem einige wenige sie ungebremst ausagieren, wie er es sich vorstellt.

Wo es also um Veränderung geht, hilft es nichts, diese Worte (und Freiheit gehört leider mittlerweile dazu, weil das Wort von Emanzipation und Teilhabe entkoppelt wurde) zu verwenden, die nur schwer aus der Vergangenheit in die Zukunft zu bewegen sind. Es hilft, die alten Worte zu analysieren – wo sie herkommen, was sie sollten, welche Machtverhältnisse zu repräsentieren – und daraus Schlüsse zu ziehen für neue Worte. Denn Sprachanalyse ist immer Machtanalyse.

Wenn die alten Worte, wie beschrieben, aus dem politischen Kontext der frühen Moderne stammen, verbunden mit einem sich entwickelnden fossilen Kapitalismus und der parlamentarischen Demokratie als Ort der Verhandlung von Macht, Interessen und Repräsentation – dann werden die neuen Worte eher aus dem Zusammenhängen der planetaren Krise entstehen. So insistiert etwa Bruno Latour mit seinem Gaia-Konzept, dass der Dualismus von Natur und Kultur aufgehoben werden muss, um die elementare Verbundenheit und damit das intime Beziehungsgeflecht des Menschen zu verstehen.

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  Das Universum in einer Schüssel: Kulinarische Reise nach Korea: Ein Klassiker – Rezept für Bibimbap Nach dem 0:0 zum Start der Champions League wollen die Fußballerinnen des FC Bayern München gegen BK Häcken ihren ersten Sieg einfahren. Den neuen CL-Modus bewertet FCB-Trainer Jens Scheuer positiv.

Es ist eine transzendentale Einsicht, die heute erst einmal überrascht. Und sie kann auch kritisiert werden, wie es etwa Andreas Malm tut. Für den ist der Kampf gegen den Klimawandel schließlich genau das: ein Kampf der Menschen gegen die Menschen, in dem er sogar mit seinem neuen Buch Wie man eine Pipeline in die Luft jagt Hinweise für eine "intelligente Sabotage" geben möchte. Was diese beiden konträren Positionen zum Klimawandel zeigen: Aus der Erkenntnis der extremen Situation ergeben sich notwendigerweise andere Antworten als die des bisherigen politischen Systems.

Man könnte auch sagen: Die Zeiten werden härter – die Sprache der Veränderung wiederum wird das nicht unbedingt sein, vielleicht sogar gerade nicht, wird eher weich sein und offen und verletzlich: Sie wird neue Worte hervorbringen oder ins Zentrum rücken, die näher sind an dem, was den Menschen ausmacht, an Körper, Ängsten, Zweifeln, Hoffnungen und Gefühlen. Es können Begriffe von Schönheit und "Sharing" sein und auch alte Worte wie Glaube, neu kodiert für unser säkulares Zeitalter.

Aus der existenziellen Krise unserer Demokratien und des Planeten entsteht damit die Einsicht in die Notwendigkeit spiritueller oder transzendentaler Verbundenheit. Mit der Konsequenz, dass man eben nicht für einen kurzfristigen mutmaßlichen Eigennutzen handelt, den der Lauf der Dinge irgendwann auch spürbar ad absurdum führt, sondern aus der Erkenntnis, dass "wahre" Handlungen sich auf etwas Anderes richten müssen.

Es ist eine Art "emotional turn" der Politik, der sich ankündigt – und die Linke, die die Emotionalisierung der Politik eher mit dem Faschismus assoziiert, täte gut daran, hier eine Chance zu sehen für einen Politik-Entwurf, der die physische wie metaphysische Bedrohung des Lebens auf der Erde zum Anlass nimmt für einen neuen Humanismus, der auch alles nicht-menschliche Leben einschließt.

In der kommenden ganz gegenwärtigen politischen Diskussion in Deutschland ist es vor diesem größeren Hintergrund interessant, dass mit FDP und Grünen zwei Parteien in recht eindeutige diskursive und realpolitische Machtpositionen gekommen sind, die in gewisser Weise zwei Enden dieses Sprachdiskurses darstellen – und diese beiden Enden dann auch verbinden könnten.

Auf der einen Seite also das klassisch liberal-demokratische Vokabular, zentriert auf Freiheit – und auf der anderen Seite ein Denken der Ökologie, des Systemischen, eine Art von Verbundenheit, die sich unbedingt mit dem Konzept von Freiheit kombinieren lässt: Die Koalitionsverhandlungen dieser beiden Parteien sind damit tatsächlich eine Art Labor für ein neues Denken, jenseits der alten Parteilogik. Und es wird sich zeigen, ob die beiden Parteien dazu in der Lage sind, über die Sprache auch zu einem neuen systemischen Verständnis von Politik zu gelangen. Die Grünen, aus der Bürgerbewegung entstanden, stehen schon einmal für diese Dynamik, entstanden aus einem anderen Verständnis von Bürgermacht – bottom-up, wie es heute heißt, experimentell, dezentral.

Das – experimentell und dezentral – sind Parameter des neuen Vokabulars, das das Scheitern miteinbeziehen muss, als Wort und als Praxis. Dass diese Praxis heute in der Politik als Versagen gesehen würde, spricht nicht nur langfristig für deren Versagen, ihr Nichtgenügen gemessen an den Realitäten. Denn kein Leben ist mehr geradlinig oder berechenbar, wie sollte es also die Politik sein? Das Experiment ist in dieser Wirklichkeit nur Chance und nicht potenzielles Scheitern. Es bietet verschiedene Optionen, statt der einen Wahrheit. Und auch dafür braucht es eine andere Sprache, die das – von Seiten der Medien wie der Politik – zulässt. Die wiederum müsste auch eine andere Anerkennung des Menschlichen in der Politik mit sich bringen, der vermeintlichen Schwächen: Trauer, Sehnsucht, Schmerz, Vergebung, Verzeihen, Gnade, Anmut, Angst. Wie würde eine Politik aussehen, die diese Worte adressiert, sie ernst nimmt, wie würde ein politisches System aussehen, das auf diese Konzepte aufsetzt?

Denn es geht mit den Worten auch um eine andere Praxis. Zuhören etwa, am Beginn des demokratischen Prozesses, ist mehr als nur ein Wort. Es ist etwas, mit dem man, wenn man es tut, sehr viel von der sendergeleiteten diskursiven Praxis umkehrt, wie sie das Parlament symbolisiert und wie sie sich in den Talk-Shows unserer Tage fortsetzt.

Um diese Begriffe herum, Hoffnung etwa oder Vergebung, könnten sich andere Institutionen formen lassen, ein Ministerium der Hoffnung etwa oder ein Ministerium der Vergebung oder wenigstens Strukturen jenseits des rein Gesetzgeberischen, die diese Dimension von Leben, Gesellschaft und Miteinander anerkennt und einbezieht.

Ich weiß (und auch Subjektivität ist so ein neues Wort, im Gegensatz zu Individualität), ich weiß, dass die Mühlräder der Macht schon wieder malmen und die Koalitionsverhandlungen sich womöglich wieder mal vor allem in Detailfragen ergehen werden. Aber die Zeiten sind anders, die Zeiten sind dringlich, die Zeiten sind gut für radikales Nachdenken über die Grundlage unserer Ordnung.

Wir können ja mal anfangen. Es wäre eine neue Welt, aber es bleibt die einzige, die wir haben.

Das Universum in einer Schüssel: Kulinarische Reise nach Korea: Ein Klassiker – Rezept für Bibimbap .
Nach dem 0:0 zum Start der Champions League wollen die Fußballerinnen des FC Bayern München gegen BK Häcken ihren ersten Sieg einfahren. Den neuen CL-Modus bewertet FCB-Trainer Jens Scheuer positiv.

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