Welt & Politik: Neue Parteiführung: Ein neuer starker Mann für die CDU-Führung? Die großen Ambitionen des Carsten Linnemann

CDU-Vorsitz: Jens Spahn sagt ab, dafür soll Helge Braun mit Kandidatur liebäugeln

  CDU-Vorsitz: Jens Spahn sagt ab, dafür soll Helge Braun mit Kandidatur liebäugeln Den Kanzleramtsminister und Merkel-Vertrauten hatte bisher kaum jemand auf dem Zettel. Die Lager der möglichen Konkurrenten Merz und Röttgen geben sich gelassen. © Michael Kappeler/dpa Helge Braun, derzeit geschäftsführender Kanzleramtsminister, prüft angeblich, ob er genug Rückhalt für eine Bewerbung um den CDU-Vorsitz hat. Jens Spahn sagt ab, dafür soll Helge Braun mit Kandidatur liebäugeln Aus dem bisher erwarteten Zweikampf um den CDU-Vorsitz könnte ein Dreikampf werden.

Der Chef der Mittelstandsunion gibt seinen Posten ab – um sich nach dessen möglicher Wahl als Vize von Friedrich Merz und Chef der Grundsatzkommission für Höheres zu empfehlen.

Der CDU-Politiker soll künftig im Team Merz eine zentrale Rolle spielen. © dpa Der CDU-Politiker soll künftig im Team Merz eine zentrale Rolle spielen.

Nur 30 Minuten nachdem die Frist für Bewerber um den CDU-Parteivorsitz abgelaufen ist, eröffnen Friedrich Merz und seine Anhänger des Wirtschaftsflügels ihren Wahlkampf – gemeinsam mit Armin Laschet. Der scheidende Parteichef wird an diesem Mittwochabend um 18.30 Uhr den Mittelstandspreis der Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung (MIT) verleihen. Dieses Jahr geht er an Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund und Intimus von Merz, den womöglich nächsten CDU-Vorsitzenden.

Parteivorsitz: „Kein Weiter so, erst recht kein Zurück“: Röttgen will CDU-Chef werden

  Parteivorsitz: „Kein Weiter so, erst recht kein Zurück“: Röttgen will CDU-Chef werden Parteivorsitz: „Kein Weiter so, erst recht kein Zurück“: Röttgen will CDU-Chef werden

Doch die Bühne gehört einem anderen: Carsten Linnemann. Der MIT-Chef wird nicht nur die Gäste begrüßen und durch den Abend führen. Er nimmt auch Abschied, um den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu gehen.

Linnemann hat am Dienstag im MIT-Präsidium angekündigt, sein Amt niederzulegen. Er soll im Team Merz nicht nur eine zentrale Rolle spielen. Der 44-jährige Ökonom gilt schon heute als dessen potenzieller Nachfolger, so denn die Mitglieder Merz zum neuen Vorsitzenden bestimmen – und danach alles nach Plan läuft.

Vordergründig hat sein MIT-Abschied damit zu tun, dass er ein Verfechter von Amtszeitbegrenzungen ist und dies mit seiner Entscheidung auch konsequent lebt. Doch soll Linnemann vor allem so etwas wie der erste stellvertretende Parteivorsitzende in einer Merz-CDU sein – und als Vize auch Chef der Grundsatzprogrammkommission werden.

Kampf um CDU-Vorsitz: Prominente Manager und Unternehmer unterstützen die Wahl von Merz

  Kampf um CDU-Vorsitz: Prominente Manager und Unternehmer unterstützen die Wahl von Merz Kampf um CDU-Vorsitz: Prominente Manager und Unternehmer unterstützen die Wahl von MerzAm Ende war es eine reine Formsache: Der Vorstand des CDU-Kreisverbands Hochsauerland nominierte Friedrich Merz am Montagabend einstimmig für das Amt des neuen Bundesvorsitzenden. Nichts anderes war erwartet worden – der 66-jährige Wirtschaftsanwalt wohnt fast schon sein ganzes Leben im Städtchen Brillon im Sauerland und er kann sich auf die Unterstützung seiner örtlichen Parteifreunde verlassen.

Die Aufgabe gehört zu den wichtigsten der Partei, erst recht, wenn es wie zuletzt in den 70er-Jahren oder nach der deutschen Einheit um eine Neuausrichtung der Partei geht. Dazu, so der Plan, soll Linnemann ein eigenes Büro in der Parteizentrale erhalten. Mitarbeiter gehören ebenso dazu, um die Arbeitsgruppen und Veranstaltungen zu koordinieren, die Teil des Prozesses sein dürften. „Moderne Konservative wollen den Fortschritt und neue Entwicklungen gestalten“, hatte Linnemann bereits im Februar erklärt.

Für Linnemann müsste Spahn wohl aus der CDU-Führung weichen

Der Paderborner hat schon einmal einen verstaubten Laden übernommen: die MIT. Seit 2013 hat er die Vereinigung modernisiert, inhaltlich, personell und auch mit neuen, hippen Räumen und so intern wie extern zum wichtigen Ansprechpartner entwickelt. Es ist sein Empfehlungsschreiben für die Rolle, die er bei Merz spielen soll.

Friedrich Merz: Plötzlich fast ein Sozi

  Friedrich Merz: Plötzlich fast ein Sozi Kein Scherz: Friedrich Merz will die CDU moderner, sozialer und ökologischer machen. Bei seinem dritten Anlauf für den Parteivorsitz präsentiert er sich als Teamplayer. © Michael Kappeler/​dpa Friedrich Merz kandidiert ein drittes Mal für den CDU-Vorsitz.

Bewährt er sich, dann dürften ihm alle Türen offen stehen. Die Rolle als Chef eines Parteiflügels aber verträgt sich mit der neuen Aufgabe nicht. Zwar gilt er als Diplomat, der durchaus auch Kompromisse mit dem Arbeitnehmerflügel schließt, um seine Ziele zu erreichen. Aber künftig müsste er für alle ansprechbar sein. Die Junge Union gehört auf jeden Fall zu seinen Unterstützern.

Linnemann, Sohn einer Buchhändlerfamilie, wurde von vielen gedrängt, sogar für den Parteivorsitz zu kandidieren. Er haderte mit sich, so wie 2013, als er für den MIT-Vorsitz kandidierte. Angst vor der Niederlage und Respekt vor der Aufgabe ließen ihn zögern. Jens Spahn bestärkte ihn damals. Das Band hält bis heute, wenn auch Spahn nun in der CDU-Führung weichen muss. Für drei aus NRW ist kein Platz in der Führung. Vor allem aber hat Linnemann weit mehr Unterstützer, was ihn bestärkte, sich mit Merz zu verabreden.

Entsprechend gilt es längst als Option, dass Linnemann auf Merz folgen könnte, wenn dieser sich nach einer erfolgreichen Modernisierung der Partei zurückziehen sollte. Merz selbst nennt die Neuaufstellung in den kommenden zwei Jahren als zentrale Aufgabe – und nicht etwa die Frage, wer 2025 Kanzlerkandidat werden könnte.

CDU-Parteivorsitz: Triumvirat der Trümmermänner

  CDU-Parteivorsitz: Triumvirat der Trümmermänner Die CDU steht am Abgrund. Aber nicht, weil nur Männer für den Parteivorsitz kandidieren. Sondern, weil sämtliche Kandidaten wie kraftlose Opportunisten wirken. © Julian Stratenschulte/ dpa In der Wirtschaft läuft es häufig so: Wenn der Chef sein Unternehmen zerbröseln lässt, kommt als Aufräumkommando eine Chefin. Frauen werden besonders gerne dann ganz nach vorne gestellt, wenn die Aussicht auf nahtlosen Erfolg nicht gegeben ist.In der CDU läuft es derzeit umgekehrt.

Skepsis beim Arbeitnehmerflügel

Skepsis herrscht dennoch beim Arbeitnehmerflügel, gehören doch Merz wie Linnemann zweifelsohne dem Wirtschaftsflügel der Partei an – auch wenn Merz bei seiner dritten Kandidatur um den Parteivorsitz mit Mario Czaja den ehemaligen Sozialsenator Berlins als Generalsekretär auserkoren und die Defizite der CDU in der Sozialpolitik betont hat.

„Wir brauchen keine konservative Alternative zur FDP“, sagte der Vize-Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Dennis Radtke, dem Handelsblatt. Die CDU habe bei der Bundestagswahl 2,5 Millionen Stimmen an SPD und Grüne verloren, weil die Partei keine Antworten auf die drängenden sozialen Fragen gegeben habe.

Er habe „erstaunt und erfreut“ vernommen, dass Merz in der Sozialpolitik das Problem erkannt habe. „Das nehme ich zur Kenntnis“, sagte der Europaabgeordnete aus Wattenscheid. Entscheidend sei aber, „konkret zu werden, um das sozialpolitische Profil zu schärfen“.

Merz wird auf den Sozialflügel eingehen müssen, um erst die Wahl zu gewinnen und dann die Partei zu einen. Entsprechend deutlich wird sich hingegen in den kommenden Jahren die Mittelstandsunion aufstellen müssen. Im Gespräch als Nachfolgerin Linnemanns ist die brandenburgische Bundestagsabgeordnete Jana Schimke. Die 42-jährige Mutter von zwei Kindern sagte dem Handelsblatt, es seien „große Fußstapfen, die Carsten hinterlässt. Es geht darum, den Standard zu halten und das wirtschaftspolitische Profil der CDU zu stärken.“

„Bei keinem Thema Meinungsführerschaft“: Für Friedrich Merz steckt die CDU in einer schweren Krise

  „Bei keinem Thema Meinungsführerschaft“: Für Friedrich Merz steckt die CDU in einer schweren Krise Die Charakter der CDU als Volkspartei sei gefährdet, so Merz. Der Bewerber um den Parteivorsitz kündigt an, unter ihm werde die CDU auch familienfreundlicher. © Foto: Imago Images/Jens Schicke Kandidierte bereits zweimal vergeblich für den CDU-Vorsitz: Friedrich Merz. Der Bewerber für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, sieht seine Partei in einer bedrohlichen Lage. „Die CDU steckt tatsächlich in einer schweren Krise, und sie ist in ihrem Charakter als Volkspartei gefährdet“, sagte Merz der „Bild am Sonntag“. „Wir haben bei keinem Thema mehr die Meinungsführerschaft, nicht einmal mehr in der Wirtschaftspolitik.

Wie bei der Wahl des CDU-Vorsitzenden wird es auch bei der MIT ein zweiwöchiges Nominierungsverfahren für Kandidaten geben. Es folgt eine kurze Vorstellungsrunde, bevor der MIT-Mittelstandstag in Dresden einen neuen Bundesvorstand wählen wird.

Mehr: CDU-Vorsitz: Das Merz-Lager eröffnet den Wahlkampf.

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Machtkampf um Parteivorsitz: Kretschmer plädiert für Merz als CDU-Chef .
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nennt seinen Favoriten für den CDU-Vorsitz. Die Bevölkerung hat derweil wenig Zutrauen in alle drei Kandidaten. © Foto: dpa/Sebastian Willnow Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Friedrich Merz (Beide CDU) im Juli 2019 Im Wettbewerb um den CDU-Vorsitz hat sich Sachsens Ministerpräsident und Parteipräsidiumsmitglied Michael Kretschmer für Friedrich Merz ausgesprochen. „Friedrich Merz wäre die beste Lösung“, sagte Kretschmer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

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