Welt & Politik: Russland-Ukraine-Konflikt: Klug aufgerüstet

US.S. sollte Aufstand in der Ukraine unterstützen, wenn Russland invastisch eindringt:

 US.S. sollte Aufstand in der Ukraine unterstützen, wenn Russland invastisch eindringt: © Foto von Shawn THEW-Pool / Getty Images oben, Romney fragt Zeugen während eines Senats-Gesundheits-, Bildungs-, Arbeits- und Pensionsausschüsse auf dem Capitol Hill am 11. Januar in Washington Wenn Russland die Ukraine eindringt, unterstützte die Idee "von uns, die eine Aufständische unterstützte, im Grunde, was wir in den Sowjets in Afghanistan getan haben?" "Absolut", antwortete der Utah Republican. "Ich denke, [Putin] muss verstehen, dass die Folgen von Bedeutung sein werden.

Die Ukraine ist nicht mehr so schwach wie 2014. Zudem geht es für die Regierung in Kiew nicht um Sieg: Eine Invasion soll für Russland möglichst teuer werden.

Ukrainischer Soldat in der Nähe der Frontlinie zu den aus Russland unterstützten Milizen in der Region Donezk © Anna Kudriavtseva/​Reuters Ukrainischer Soldat in der Nähe der Frontlinie zu den aus Russland unterstützten Milizen in der Region Donezk

Die Lage in Osteuropa wirkt ernst wie seit Jahren nicht mehr. Mehr als 100.000 russische Soldaten sind an den Grenzen zur Ukraine aufmarschiert. Seit Monaten wird der Ton der Regierung in Moskau gegenüber der Ukraine und der Nato immer aggressiver. Westliche Expertinnen und Militärs warnen vor einer möglichen russischen Invasion. Die US-Regierung verschärft ebenfalls die Rhetorik und hat 8.500 Soldaten in Alarmbereitschaft versetzt – gleichzeitig verstärken die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Partner die Rüstungslieferungen an die Ukraine. Russland soll vor weiteren Übergriffen auf das Territorium des Nachbarlandes abgehalten werden.

Ukraine-Konflikt schwelt weiter: US-Außenminister Blinken trifft ukrainischen Präsidenten Selenskyj

  Ukraine-Konflikt schwelt weiter: US-Außenminister Blinken trifft ukrainischen Präsidenten Selenskyj Im Zuge der Spannungen im Ukraine-Konflikt ist der US-Außenminister Blinken zu Gesprächen in Kiew gelandet. Alle Parteien warnen weiter vor einer Eskalation. © Foto: Alex Brandon/Pool AP/dpa Antony Blinken, Außenminister der USA, winkt bei seiner Abreise nach Kiew. US-Außenminister Antony Blinken ist am Mittwochmorgen in Kiew gelandet um den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und seinen Kollegen Dmytro Kuleba zu treffen.

Im Frühjahr 2014 hatte die ukrainische Armee keine Chance. Die Verteidigerinnen und Verteidiger auf der Krim und in der Ostukraine wurden von den aus Russland gelenkten und ausgestatteten "Separatisten" überrollt. Seitdem fallen fast täglich Schüsse, sterben regelmäßig auf beiden Seiten Menschen. Und mit gutem Grund fühlt sich die Ukraine mehr denn je bedroht: Seit Wochen verstärkt Russland seine regulären Truppen an der Grenze immer weiter, Tausende Panzer, Geschütze und Soldaten stehen dort bereit.

Die ukrainischen Verteidigungsfähigkeiten haben sich seit 2014 allerdings erheblich verbessert. Seit dem Verlust der Krim hat die Ukraine beträchtlich und gezielt aufgerüstet. Die Verteidigungsausgaben liegen bei gut drei Prozent der Wirtschaftsleistung. Aber können die modernisierten und besser ausgebildeten Streitkräfte einen Angriff auf den Osten des Landes abwehren? Das fragen sich nicht nur Menschen in der Ukraine, sondern auch Militärs und Politiker im Westen – und auch in Russland.

USA und Russland: Für den Moment war der Westen stark genug

  USA und Russland: Für den Moment war der Westen stark genug Die USA und Russland sprechen in Genf und es bleibt dabei: Die Entscheidung über Konfrontation oder Kooperation liegt in Moskau. Aber die Diplomatie hat Zeit gewonnen. © Russian Foreign Ministry Press Service/​Handout/​Anadolu Agency/​Getty Images Treffen auf neutralem Boden: US-Außenminister Antony Blinken (links) und Russlands Außenminister Sergej Lawrow in Genf Im besten Fall, der bei Weitem nicht ideal ist, haben Olaf Scholz, Joe Biden und viele weitere westliche Staatschefs die Lage an diesem Punkt richtig beschrieben. "Die russische Seite weiß um unsere Entschlossenheit.

Die ukrainischen Streitkräfte sind deutlich kleiner als die des ungleich größeren Nachbarlandes. Gut 200.000 aktive Soldatinnen und Soldaten bietet die Ukraine auf, dazu kommen Milizionäre und Reservisten. Russland verfügt über 850.000 Mitglieder in der Armee, dazu kommen eine große Zahl anderer Uniformierter und auch irreguläre Kräfte.

Die ukrainische Marine ist immer noch klein und veraltet. Die Luftwaffe ist dem russischen Gegner nicht im Entferntesten gewachsen. In den vergangenen Jahren haben die Luftstreitkräfte einige Maschinen über der Ostukraine verloren. Die Zahlen sprechen für sich: 35 ukrainische Kampfhubschrauber stehen 544 russischen gegenüber, 69 Kampfflugzeuge haben die blau-gelbe Flagge lackiert. Über 772 Maschinen verfügt der Gegner.


Video: Nato-Staaten beraten über Russlands Forderungen (dpa)

Bei Panzern und anderen Militärfahrzeugen kann das Heer vor allem auf dem Papier überzeugen, aber viele Fahrzeuge und Geschütze sind eingemottet oder haben großen Modernisierungsbedarf. Und an die russischen Kräfte reichen die ukrainischen Möglichkeiten auch bei den Panzern nicht heran, 2.400 Stück stehen gut 13.000 gegenüber. Und die Großkampfsysteme der Ukraine sind meist veraltet, sie sind sowjetische oder russische Entwicklungen. Das Land verfügt zwar über eine große Rüstungsindustrie, deren Produkte sind aber ebenfalls alles andere als auf dem neusten Stand.

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Dennoch müsste Wladimir Putin einen hohen Preis bezahlen, wenn er mit regulären Truppen zu einer Offensive übergehen würde. Denn die Ukraine hat im Westen und in der Türkei zahlreiche Rüstungsgüter beschafft, die im Kriegsfall auch einem überlegenen Gegner Probleme bereiten können. Die ukrainischen Strategen planen keine offenen Feldschlachten gegen Invasoren. Sie haben Waffen beschafft, um stärkeren Feinden schmerzvolle Verluste zuzufügen.

So verfügt die Ukraine über Panzerabwehrwaffen und Zielortungsradare für die Artillerie aus dem Westen. Vor acht Jahren haben die Verteidigerinnen und Verteidiger große Verluste durch die russische Artillerie erlitten. Nun können sie feststellen, wo feindliche Geschütze stehen, und diese attackieren. Dafür stehen türkische Kampfdrohnen vom Typ Bayraktar TB-2 zur Verfügung, mit denen die ukrainischen Streitkräfte bereits 2021 im Donbass gegnerische Artilleriestellungen bekämpft haben. In Syrien konnten diese Drohnen trotz russischer Luftabwehrgeschütze ihre Attacken fliegen und haben die Boden-Luft-Systeme vorgeführt. Und im Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien im Herbst 2020 hatten die unbemannten Flugkörper aus der Türkei durchaus kampfentscheidende Wirkung.

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  Newsblog zur Ukraine: Nato-Mitgliedstaaten verstärken Verteidigung in Osteuropa Die Lage an der Grenze zwischen der Ukraine und Russland ist angespannt. Moskau hat etwa 100.000 Soldaten zusammengezogen. Die Ukraine und der Westen fürchten eine Invasion. Russland weist diesen Vorwurf zurück und verlangt Sicherheitsgarantien. Bisher sind alle diplomatischen Bemühungen vergebens. © ap Ukrainische Patrouille an der Grenze zu Russland Montag, 24. Januar Nato-Mitgliedstaaten verstärken Verteidigung in Osteuropa 10.

Bislang verfügt die Ukraine über zwölf dieser Drohnen. Der Kauf weiterer 24 Exemplare wurde bereits vertraglich festgehalten. Und außerdem vereinbarten die Regierungen in Kiew und Ankara eine weitreichende Rüstungskooperation. Künftig sollen die Drohnen auch in der Ukraine zusammengebaut werden und Motoren aus dem osteuropäischen Land erhalten. Die Ukraine wird künftig auch Motoren für schwerere Kampfdrohnen an den Bosporus liefern und drei Kriegsschiffe aus der Türkei beziehen.

Noch umfangreicher sind die ukrainischen Waffenbeschaffungen in den Vereinigten Staaten. Die USA haben seit 2014 Rüstungsgüter im Wert von gut 2,5 Milliarden Dollar an die Ukraine geschickt. So bekam die Regierung in Kiew 24 Aufklärungsdrohnen, zwei ausgemusterte Patrouillenboote, Radarsysteme, 30 gebrauchte gepanzerte Geländewagen und das Panzerabwehrsystem Javelin. Dessen Raketen mit wärmesuchendem Infrarotsensor sollen selbst die modernen russischen Kampfpanzer stoppen können. Der größte Vorteil: Die Raketen können von der Schulter eines Soldaten oder einer Soldatin abgefeuert werden, sind also gut zu verstecken und von der überlegenen russischen Luftwaffe kaum zu bekämpfen.

Dazu kommt umfangreiche militärische Unterstützung der Nato, die bei der Modernisierung der Armee, beim Training der Soldatinnen und Soldaten und bei der Verbesserung der Ausrüstung hilft. So hat das transatlantische Bündnis zehn Drohnenabwehrsysteme zur Verfügung gestellt, die aus Litauen stammen. Diese sogenannten Jammer können unbemannte Flugkörper vom Himmel holen, indem sie deren Steuerung ausschalten. Seit 2020 gehört die Ukraine zu den sechs Partnernationen der Nato, die keine Mitglieder sind, aber "Mitwirkungsmöglichkeiten" haben. Dazu zählen auch Staaten wie Schweden, Finnland und Australien. Durch diese Zusammenarbeit erhält die Ukraine den dringend benötigten Zugang zu moderner Kriegstechnologie – vor allem zu Defensivwaffen.

Joe Biden und die Ukraine: Nur nicht wieder Krieg

  Joe Biden und die Ukraine: Nur nicht wieder Krieg Unglückliche Aussagen, ein uneinschätzbarer Gegner: US-Präsident Joe Biden gerät in der Ukraine-Krise unter Druck, mehr Stärke gegenüber Wladimir Putin zu zeigen. © [M]The White House/​Handout/​Reuters US-Präsident Joe Biden beim Treffen mit seinem nationalen Sicherheitsteam in Camp David, Maryland Mike Pompeo fand auf Fox News freundliche Worte für den Präsidenten. "Er weiß seine Macht einzusetzen. Das sollten wir respektieren", sagte der ehemalige Außenminister der USA am Sonntag in der Sendung Fox News Sunday. Pompeo sprach jedoch nicht von Joe Biden, sondern vom russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Generell ist die Bereitschaft der Nato-Staaten groß, die Ukraine gegen Russland aufzurüsten. In Tschechien beschaffte die Kiewer Regierung 56 Selbstfahrlafetten und 50 Schützenpanzer, in Polen 100 Lenkwaffen zum Angriff auf Bodenziele, dazu weitere gepanzerte Fahrzeuge. Aus Frankreich kommen Transporthubschrauber, die ebenfalls keine Angriffswaffen sind, die Mobilität des ukrainischen Heeres aber entscheidend verbessern. Kanada hat in den vergangenen Jahren Militärmaterial im Wert von 524 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt.

Deutschland hat bisher keine Waffen an die Ukraine geliefert, seit 2014 aber Kevlarschutzwesten, Helme und Kommunikationsausrüstung. Nun soll die Ukraine zudem ein Feldlazarett erhalten. Auch wenn die Bundesrepublik für ihre Zurückhaltung aus Polen und von baltischen Staaten, die sich selbst von Russland bedroht fühlen, kritisiert wird, stärken selbst die überschaubaren deutschen Lieferungen die Verteidigungsfähigkeit des osteuropäischen Staates. 2014 fehlten den ukrainischen Streitkräften Erste-Hilfe-Ausrüstung und medizinische Versorgungsgüter. Wenn diese beim Kampf um die Krim und den Donbass vorhanden gewesen wären, hätten die ukrainischen Soldatinnen und Soldaten härteren Widerstand leisten können. Experten gehen davon aus, dass die Todesrate damit erheblich geringer ausgefallen wäre.

Mit der Ausrüstung aus dem Westen und aus der Türkei sollten die Verteidigerinnen und Verteidiger in der Lage sein, im Falle eines russischen Angriffs die gegnerische Bodenoffensive entscheidend zu verlangsamen und die russischen Kosten enorm in die Höhe zu treiben. "Es ist erwiesen, dass eine technisch und zahlenmäßig unterlegene Streitkraft zur Herausforderung für die Gegenseite werden kann, wenn sie das moderne System der Kriegsführung geschickt nutzt", stellten Forscher der Stiftung Wissenschaft und Politik, eines regierungsnahen Thinktanks aus Berlin, im vergangenen Jahr in einer Studie fest. "Mit moderner westlicher Ausrüstung, Logistik und Ausbildung würde Kiew die Kostenrechnung für das russische Militär erheblich verändern."

Getötete Soldaten und Verluste an teurem Kriegsgerät dürften Präsident Putin in Erklärungsnot gegenüber der eigenen Bevölkerung bringen. Russland müsste einen raschen Sieg erzielen. Die Nato würde für die Ukraine sicherlich keinen Krieg mit Russland riskieren, aber mit Sanktionen gegen die Angreifer vorgehen. Die schwächelnde russische Wirtschaft dürfte das hart treffen. Zudem würde die Regierung in Kiew sicherlich rasch weitere militärische Ausstattung aus dem Westen erhalten. Zusätzlich dürfte ein Überfall auf die Ukraine auch in Russland auf wenig Begeisterung stoßen. Die Ukrainer gelten dort schließlich als Brudervolk.

Die Zeit spielt schon jetzt für die Ukraine. Die Unterstützung aus den USA und aus der EU nimmt zu. Bislang blieben einige Wünsche aus Kiew unerfüllt. So würde sie gern in den USA das Luftabwehrsystem Patriot beschaffen. Mit dem Boden-Luft-System von Raytheon lassen sich feindliche Flugzeuge und Raketen abwehren. Sollte der Ukraine gelingen, ihr Drohpotenzial auch gegenüber der russischen Luftwaffe zu erhöhen, dürfte eine Invasion unwahrscheinlicher werden. Zwar verfügt Russland auch über Hyperschallraketen, die kaum abgewehrt werden können. Aber auch diese Waffen kosten ungeheure Summen. Wenn die Kosten für Russland unüberschaubar wirken, dürfte das die Regierung in Moskau mehr von militärischen Schritten abhalten als jede Drohung aus Reihen der Nato.

Außenpolitik: Ukraine-Konflikt: Scholz’ Moderatorenrolle gefällt nicht jedem in der Regierung .
In der Koalition erhält die Russland-Politik von Kanzler Olaf Scholz zwar öffentlich Rückhalt. Kritik hagelt es intern aber an der Kommunikation des Kanzlers. © dpa Kritiker finden, der Kanzler zeige im Ukraine-Konflikt zu wenig klare Kante. Die Tonlage von Olaf Scholz und Emmanuel Macron könnte unterschiedlicher kaum sein. Der französische Präsident analysierte am Montagabend im Bundeskanzleramt düster die Auseinandersetzung mit Russland. Der Kreml versuche, die Länder der ehemaligen Sowjetunion zu destabilisieren, Russland werde zu einer „Kraft der Instabilität“ in Europa.

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