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Welt & Politik: Ukrainische Truppen setzen Vormarsch fort

10.000 russischen Soldaten droht Einkesselung

  10.000 russischen Soldaten droht Einkesselung Kiew/Moskau. Auch wenn die Regierung der Ukraine militärische Erfolge feiert - US-Außenminister Antony Blinken und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rechnen trotz Gebietsgewinnen der ukrainischen Truppen noch mit mehreren Monaten Krieg. Die Kämpfe würden sich jedoch wahrscheinlich noch über Monate hinziehen. © Kostiantyn Liberov Ein ukrainischer Soldat steht auf einem Feld und hält eine Wassermelone in einer Hand und zeigt einen erhobenen Daumen, während im Hintergrund ein Raketenwerfer abgefeuert wird (Symbol-/Archivbild).

Kiew/Moskau/Berlin. Die Ukraine meldet weitere Geländegewinne, russische Besatzer ziehen sich zurück. Aber wie bedeutsam sind diese militärischen Erfolge? Deutschland ringt unterdessen immer stärker mit den Folgen des Krieges.

In der Umgebung des größten Atomkraftwerks Europas „Saporischschja“, im Südosten der Ukraine, wird seit Wochen gekämpft. Die beiden Kriegsparteien machen sich gegenseitig für den Beschuss des Atomkraftwerks, das russische Truppen seit Monaten besetzt halten, verantwortlich. Ein IAEA-Team ist vor Ort, um die Sicherheitslage zu beobachten. Und die Menschen in der Ukraine leben weiterhin in Angst, vor einer nuklearen Katastrophe und den Geschossen der kämpfenden Parteien. Die Bilder im Überblick. Ein russischer Soldat steht auf dem Gelände des Kernkraftwerks Saporischschja Wache. © Uncredited In der Umgebung des größten Atomkraftwerks Europas „Saporischschja“, im Südosten der Ukraine, wird seit Wochen gekämpft. Die beiden Kriegsparteien machen sich gegenseitig für den Beschuss des Atomkraftwerks, das russische Truppen seit Monaten besetzt halten, verantwortlich. Ein IAEA-Team ist vor Ort, um die Sicherheitslage zu beobachten. Und die Menschen in der Ukraine leben weiterhin in Angst, vor einer nuklearen Katastrophe und den Geschossen der kämpfenden Parteien. Die Bilder im Überblick. Ein russischer Soldat steht auf dem Gelände des Kernkraftwerks Saporischschja Wache.

Im Abwehrkampf gegen Russland hat die Ukraine weitere Geländegewinne im Nordosten des Landes gemeldet. Demnach zogen sich russische Truppen nach ihrer Niederlage in der Region bei Charkiw am Dienstag aus ersten Orten im Nachbargebiet Luhansk zurück. Die USA dämpften nach dem ukrainischen Vormarsch jedoch die Euphorie: Die Fortschritte seien bedeutsam, doch sei es zu früh, die weitere Entwicklung zu beurteilen, sagte US-Außenminister Antony Blinken am Montag (Ortszeit) in Mexiko. Zugleich ermunterte die US-Botschaft in Berlin Deutschland und andere Verbündete, bei der Militärhilfe „so viel Unterstützung wie möglich zu leisten“.

Russland befiehlt den Truppen, sich aus den Positionen der Front zurückzuziehen, nachdem der ukrainische Fortschritt

 Russland befiehlt den Truppen, sich aus den Positionen der Front zurückzuziehen, nachdem der ukrainische Fortschritt Russland seine Truppen angesichts eines Schockabweits durch die ukrainischen Streitkräfte von zwei Frontlinienpositionen in der Ostukraine zurückgezogen hat. © Andere -Soldaten des 1. Bataillons der 92.

Deutschland ringt indes immer stärker mit den Folgen des Krieges. So rief Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dazu auf, die Preis- und Energiekrise gemeinsam zu überwinden. Er sei froh, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften diese Woche erneut in der sogenannten konzertierten Aktion berieten, sagte Scholz in Berlin. Er betonte, die Regierung werde „dafür Sorge tragen, dass es möglich ist, dass die süddeutschen Atomkraftwerke im Januar und Februar und März noch laufen können, damit es auf keinen Fall zu einem Engpass im deutschen Strommarkt kommt“. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) stellte zudem Mittelständlern mit hohem Energiebedarf Zuschüsse für ihre Gas- und Stromkosten in Aussicht.

Kiews Offensive macht monatelangen russischen Vormarsch wett

  Kiews Offensive macht monatelangen russischen Vormarsch wett An fünf Tagen haben ukrainischen Soldaten mehr Gelände zurückgewonnen, als die russischen Truppen seit April besetzt haben. US-Experten sprechen von einem der größten militärischen Erfolge Kiews.Der Thinktank in Washington veröffentlicht seit Kriegsbeginn regelmäßig Analysen zum Kampfgeschehen in der Ukraine. Der Sonntag ist der 200. Tag des russischen Angriffskriegs.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger verwies jedoch auf erhebliche Rezessionsängste der Unternehmen. Verbraucher dürften sich zudem wegen der stark steigenden Preise sorgen: Das Statistische Bundesamt meldete für August einen Sprung der Inflationsrate auf 7,9 Prozent. Der Deutsche Städtetag wiederum warnt vor Engpässen bei der Unterbringung von Ukraine-Flüchtlingen.

Viele Regionen in der Ukraine ohne Strom

  Viele Regionen in der Ukraine ohne Strom Charkiw. Nach dem Teilrückzug der eigenen Truppen hat Russland ukrainischen Angaben zufolge die kritische Infrastruktur des Nachbarlandes beschossen. In mehreren Regionen seien Orte ohne Strom, meldeten ukrainische Medien am Sonntagabend. © Vadim Belikov Russische Raketen, die von der russischen Region Belgorod aus auf die Ukraine abgefeuert wurden, sind in der Morgendämmerung in Charkiw zu sehen (9. September 2022). In weiten Teilen der Ostukraine ist am Sonntagabend der Strom ausgefallen, Kiew machte russische Angriffe auf Infrastruktur für die Blackouts verantwortlich.

Ukraine meldet russischen Rückzug auch aus Teilen von Luhansk

Im Kriegsgebiet selbst wendete sich das Blatt in den vergangenen Tagen: Das ukrainische Militär gewann vor allem im Osten und Süden des Landes Gebiete zurück, während die russischen Besatzer überstürzt abrückten. Nach der Region um die Millionenstadt Charkiw gilt dies auch für erste Orte im Nachbargebiet Luhansk, wie der dortige ukrainische Militärgouverneur Serhij Hajdaj mitteilte. Unabhängig zu überprüfen waren diese Aussagen zunächst nicht.

Mithilfe westlicher Waffen will Kiew die Regionen Luhansk und Donezk zurückerobern. Russland hatte die vollständige Einnahme von Luhansk im Juli gemeldet. In Donezk halten die Ukrainer eigenen Angaben zufolge derzeit rund 40 Prozent des Gebiets.

Kreml: Keine Generalmobilmachung

Die russische Führung um Präsident Wladimir Putin gibt sich trotz der Rückschläge unaufgeregt. Es sei keine Generalmobilmachung geplant, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut Agentur Interfax. Doch werden in Moskau Rufe nach Konsequenzen lauter - darunter auch nach einer teilweisen oder vollständigen Mobilmachung, um die ausgegebenen Ziele der sogenannten Spezialoperation zu erreichen.

Kiew meldet Einnahme von mehr als 20 Orten

  Kiew meldet Einnahme von mehr als 20 Orten Die Gegenoffensive im Osten der Ukraine setzt die russischen Truppen weiter unter Druck. London spricht von «erheblichen Folgen» für die allgemeine Einsatzplanung der Russen. «Das bereits eingeschränkte Vertrauen, das die eingesetzten Truppen in die russische Militärführung haben, dürfte wahrscheinlich weiter schwinden», hieß es in der Mitteilung auf Twitter. Nach dem Rückzug der Russen aus dem gesamten Gebiet Charkiw westlich des Flusses Oskil seien dort nur noch einzelne «Nester des Widerstands» übrig, so die Einschätzung der Briten.

Zugleich gibt es Hinweise auf vermehrte Kritik an Putin. Dutzende Lokalpolitiker in Russland forderten seinen Rücktritt. Es kämen neue Unterstützer hinzu, schrieb die Abgeordnete eines St. Petersburger Bezirksrats, Xenia Torstrem, auf Twitter. Die direkten Auswirkungen solcher Protestaktionen dürften aber gering sein. Seit dem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar geht Russlands Justiz besonders hart gegen Oppositionelle und Andersdenkende vor.

Briten sehen Rückschlag für Eliteeinheit

Auch die strategische Lage nach den jüngsten Erfolgen der Ukraine ist nicht leicht einzuschätzen. „Wir haben eindeutig bedeutende Fortschritte bei den Ukrainern gesehen, insbesondere im Nordosten“, sagte US-Außenminister Blinken in Mexiko und lobte den Mut der Ukrainer. Doch fügte er hinzu, es sei zu früh zu sagen, wie sich die Lage weiterentwickeln werde. „Die Russen haben in der Ukraine weiter sehr umfangreiche Streitkräfte sowie Ausrüstung, Waffen und Munition.“

Nach Einschätzung der britischen Geheimdienste sind führende Einheiten der russischen Armee jedoch enorm geschwächt. Betroffen sei auch die Erste Gardepanzerarmee, die zu den prestigeträchtigsten Einheiten des russischen Militärs gehört. Teile dieser Einheit hätten sich vergangene Woche aus der Region Charkiw zurückgezogen.

Tag 201 der Ukraine-Invasion: Russlands Energieeinnahmen brechen ein

  Tag 201 der Ukraine-Invasion: Russlands Energieeinnahmen brechen ein Wichtige russische Panzereinheit zerrieben, Kreml will keine Generalmobilmachung, russische Truppen verlassen offenbar Stadt in Luhansk. Der Überblick am Abend. © Foto: Kostiantyn Liberov/dpa Ukrainische Militärfahrzeuge fahren auf einer Landstraße in dem befreiten Gebiet in der Region Charkiw. Die ukrainische Offensive im Osten des Landes hält auch nach einer Woche weiter an. Warum sie so erfolgreich war und ist, hat mehrere Gründe. Zwei davon hat ein Sprecher einer ukrainischen Spezialeinheit dem britischen „Guardian“ verraten.

Stromausfall in Charkiw

Der ukrainische Präsident Selenskyj forderte erneut von den westlichen Verbündeten mehr Waffen - in diesem Fall Luftabwehrwaffen, da Russland in den vergangenen Tagen unter anderem Stromnetze in der Ukraine attackiert hatte. Auch am Dienstag gab es Stromausfälle in Charkiw. Deutschland hat der Ukraine das moderne Luftabwehrsystem Iris-T zugesagt. Die Ukraine hofft auf eine schnelle Lieferung.

„Deutschland, wir warten auf Dein Wort“

Selenskyjs Berater Mychajlo Podoljak kritisierte das deutsche Zögern bei Panzerlieferungen. „Sechs Monate lang gibt es keine Panzer, weil es keine ‚politische Entscheidung‘ dafür gibt“, schrieb er auf Deutsch bei Twitter. Russland könne deswegen den „Terror“ fortsetzen, Ukrainer müssten sterben. „Deutschland, wir warten auf Dein Wort“, richtete sich Podoljak an Berlin.

Dort wird über die Abgabe weiterer Waffensysteme weiter gestritten, auch mit Blick auf Panzer. Die Debatte tritt aber weitgehend auf der Stelle: Kanzler Scholz und die SPD sind zurückhaltend und wenden sich gegen „Alleingänge“. Die Koalitionspartner Grüne und FDP machen Druck. Die US-Botschaft in Berlin ermunterte Deutschland, bei der Militärhilfe für die Ukraine „so viel Unterstützung wie möglich“ zu leisten. „Die Entscheidung über die Art der Hilfen liegt letztlich bei jedem Land selbst“, schrieb die Vertretung auf Twitter.

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Tschechische EU-Ratspräsidentschaft fordert Kriegsverbrecher-Tribunal zu Ukraine .
Nach der Entdeckung hunderter Gräber in zurückeroberten Gebieten der Ukraine hat die tschechische EU-Ratspräsidentschaft die Einsetzung eines internationalen Kriegsverbrecher-Tribunals gefordert. Lipavsky rief zur "raschen Einsetzung eines speziellen internationalen Tribunals auf".Nach Angaben von Ermittlern hatten einige der in den rund 450 Gräbern bei der Stadt Isjum in der ostukrainischen Region Charkiw gefundenen Leichen die Hände auf dem Rücken zusammengebunden. Viele der Toten sollen auch gefoltert worden sein.

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