Wissen & Technik: Klimastreik und Bundestagswahl - Jung gegen Alt?

Bundestagswahl 2021: Alle wichtigen Fragen und Antworten zur Bundestagswahl

  Bundestagswahl 2021: Alle wichtigen Fragen und Antworten zur Bundestagswahl Bundestagswahl 2021: Alle wichtigen Fragen und Antworten zur Bundestagswahl . Erklärt werden auch Begriffe wie Ausgleichs- und Überhangmandate sowie die Bedeutung von Erst- und Zweitstimmen.Alle wichtigen Fragen un 2021 im ÜberblickWann ist die Bundestagswahl 2021?Die 20. Bundestagswahl in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist am Sonntag, den 26. September 2021.Wann sind die Wahllokale zur Bundestagswahl geöffnet?Am Wahlsonntag sind die Wahllokale von 8.00 Uhr morgens bis 18.00 Uhr am frühen Abend geöffnet.

Weltweit wird diesen Freitag für mehr Klimaschutz demonstriert. Besonders viele Aktionen gibt es in Deutschland. Der Klimafrust vor der Wahl scheint groß - vor allem bei denen, die nicht wählen dürfen.

Ein Bild vom Klimastreik vor einem Jahr: Auch die Jugend ist wütend © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/picture alliance Ein Bild vom Klimastreik vor einem Jahr: Auch die Jugend ist wütend

Deutschland ist beim Blick auf die "Map of Action" rot. Die "Streik-Karte" auf der Homepage von Fridays For Future zeigt mit roten Pins an, wo auf der Welt an diesem Freitag Klima-Demonstrationen oder Aktionen angemeldet wurden. In Deutschland stehen die Pins dicht an dicht – mehr als 440 einzelne Aktionen listet Fridays For Future Deutschland auf.

Bundestagswahlprogramme 2021: Die Pläne der Parteien zur Bundestagswahl im Überblick

  Bundestagswahlprogramme 2021: Die Pläne der Parteien zur Bundestagswahl im Überblick Bundestagswahlprogramme 2021: Die Pläne der Parteien zur Bundestagswahl im ÜberblickIm September wählt die deutsche Bevölkerung einen neuen Bundestag. Die Ära von Angela Merkel endet.

Auch Jana Boltersdorf wird wieder fürs Klima protestieren. Die Studentin ist von Anfang an bei Fridays For Future aktiv, ging als Schülerin an Streiktagen zu den Demos, statt zum Unterricht. An diesem Freitag wird sie 20 und am Sonntag kann sie dann das erste Mal ihre Stimme bei einer Bundestagswahl abgeben.

"Diese Wahl ist eine Klimawahl"

Mit dem Streik vor der Wahl wolle man den Wahlberechtigten noch einmal klar machen, dass diese Wahl eine Klimawahl sei, sagt Boltersdorf. "Die Politiker:innen, die wir jetzt wählen, werden ganz entscheidend dafür sein, was in den nächsten vier Jahren in Sachen Klimaschutz in Deutschland passiert."

Tatsächlich zeigen Studien: Die Themen Klima und Umwelt treiben immer mehr Menschen in Deutschland schon länger um.

Baerbock, Laschet, Scholz : Die Spitzenkandidaten der Bundestagswahl 2021 – wer folgt auf Angela Merkel?

  Baerbock, Laschet, Scholz : Die Spitzenkandidaten der Bundestagswahl 2021 – wer folgt auf Angela Merkel? Baerbock, Laschet, Scholz : Die Spitzenkandidaten der Bundestagswahl 2021 – wer folgt auf Angela Merkel?2021 endet die Ära von Kanzlerin Angela Merkel. Am 26. September wählen die Bürger bei der Bundestagswahl über das Parlament indirekt eine neue Kanzlerin oder einen neuen Kanzler. Doch wer Merkels Nachfolge antritt, ist noch völlig offen.

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Eine Woche vor der Bundestagswahl stand der Klimawandel für die Bundesbürger auf der Liste der wichtigsten Probleme in Deutschland sogar ganz oben, so eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen. Für die eigene Wahlentscheidung aber nannte ihn nur knapp die Hälfte, 43 Prozent, der Befragten als "sehr wichtig".

"Hohe Legitimität in der Bevölkerung"

Zu dem gestiegenen Bewusstsein hätten unter anderem die Klima-Demonstrationen beigetragen, sagt Bernd Sommer. Der Sozialwissenschaftler leitet die Forschungsbereich Klima, Kultur & Nachhaltigkeit am Norbert Elias Center for Transformationsdesign & Research der Europa-Universität Flensburg. "Die Berichterstattung über Extremwetterereignisse, dass die Folgen des Klimawandels schon überall sichtbar werden, spielt eine Rolle, aber gleichzeitig auch der Protest von Fridays For Future und anderen Klimaakteuren, die das Thema auf die Straße und damit auch in den politischen Diskurs bringen." Dass dies innerhalb von nur knapp drei Jahren gelungen sei, sei bemerkenswert, betonte der Sozialwissenschaftler.

Schulstreik für den Klimaschutz

  Schulstreik für den Klimaschutz Es ist ein globaler Klimastreik - und auch in Deutschland will Fridays for Future mit Demonstrationen an hunderten Orten den Druck vor der Bundestagswahl erhöhen. Der Deutsche Lehrerverband übt Kritik am Schulausfall. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS In Deutschland will die Klimaschutzbewegung will mit dem Klimastreik ein deutliches Signal an die Poiltik senden Unter dem Motto "Alle fürs Klima" strömen tausende Jugendliche und Unterstützer der Klimaschutzbewegung auf die Straßen zum globalen Klimastreik. Allein in Deutschland soll es Kundgebungen und Demonstrationen an mehr als 450 Orten geben.

Klimaaktivistin Jana Boltersdorf: Den jungen Menschen eine Stimme geben © Privat Klimaaktivistin Jana Boltersdorf: Den jungen Menschen eine Stimme geben

Entstanden aus einer Bewegung von Schülerinnen und Schülern, solle auch bei diesem Streik das Thema Klimagerechtigkeit ganz vorne stehen, sagt Boltersdorf. "Wir wollen vor allem auch den Menschen eine Stimme geben, die aufgrund ihres Alters noch nicht wählen gehen können, die aber ganz besonders unter der Klimakrise leiden werden."

Dieses Phänomen, mit dem die junge Generation konfrontiert sei, verletze das Betroffenheitsprinzip, erläutert Sozialwissenschaftler Sommer. "Das ist eines der Demokratieprinzipien, und es besagt, dass jeder, der von einer Entscheidung betroffen ist, auch die Möglichkeit haben muss, an ihr mitzuwirken."

Klimakrise macht Zukunftsangst

Diese Klima-Ungerechtigkeit mache viele junge Menschen sehr wütend, berichtet Pauline Brünger, Sprecherin von Fridays For Future Deutschland. "Dazu kommt die große Frustration darüber, wie der politische Diskurs in den letzten Monaten vonstattengegangen ist." Etwa, dass aus der verheerenden Flutkatastrophe in Deutschland, bei der es so viel Leid und Schmerz gegeben habe, keine Konsequenzen in der Klimapolitik folgten.

Bundestagswahl: Rentner, Staatsgeldempfänger, Migranten: Wer hat welchen Einfluss auf die künftige Politik des Landes?

  Bundestagswahl: Rentner, Staatsgeldempfänger, Migranten: Wer hat welchen Einfluss auf die künftige Politik des Landes? Rentner haben andere Prioritäten als Erstwähler, Frauen andere als Männer. Welche Politik gemacht wird, hängt auch von der Zusammensetzung der Wahlbevölkerung ab. Einblicke in fünf Wählergruppen. © dpa Am Sonntag sind Bundestagswahlen. Rund 60,4 Millionen Wahlberechtigte entscheiden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes am Sonntag über die Zusammensetzung des nächsten Bundestags – und damit indirekt über die Kanzlerin oder den Kanzler. Aber welche Wählergruppe hat welchen Einfluss? Und was bedeutet das für die Gestaltungsoptionen in bestimmten Politikfeldern? Ein paar Einblicke in die Wählergruppen.

Zerstörte Häuser nach der Flutkatastrophe in Altenahr in Rheinland-Pfalz © Christof Stache/AFP/Getty Images Zerstörte Häuser nach der Flutkatastrophe in Altenahr in Rheinland-Pfalz

Anfang September zeigte eine Befragung von 10.000 Kindern und Jugendlichen aus zehn verschiedenen Ländern: Mehr als zwei Drittel von ihnen empfinden die Zukunft als beängstigend. Fast die Hälfte gab an, der Klimawandel beunruhige sie so sehr, dass ihr tägliches Leben beeinträchtigt werde.

Doch die großen Sorgen, die sich junge Menschen um ihre Zukunft machen, scheinen den Großteil der älteren Generation nicht anzufechten - zumindest nicht in Deutschland.In einer Studie, die von der Naturschutzorganisation NABU beauftragt wurde, gaben fast zwei Drittel der befragten über 65-Jährigen an, bei ihrer Wahlentscheidung die Klima- und Naturschutzinteressen junger Generationen nicht berücksichtigen zu wollen.

Die Älteren aber werden die Bundestagswahl entscheidend beeinflussen, denn die über 70-Jährigen stellen die größte Gruppe der Wahlberechtigten: 12,8 Millionen. Zum Vergleich: Die Gruppe aller Erstwählenden kommt auf gerade mal 2,8 Millionen.

"Die bösen Alten gibt es nicht"

Den so viel beschworenen Generationenkonflikt in Sachen Klima will Fridays-For-Future-Sprecherin Pauline Brünger aber nicht befeuern. "Es hat gar keinen Sinn, pauschal von 'den guten Jungen und den bösen Alten' zu sprechen". Es gebe viel Ältere, die sich für den Klimaschutz einsetzten. Und Sozialwissenschaftler Sommer betont: "Nicht für die gesamte Jugend interessiert sich für den Klimaschutz."

Wie lange dauert es, bis die Briefwahlstimmen ausgezählt sind?

  Wie lange dauert es, bis die Briefwahlstimmen ausgezählt sind? Düsseldorf. Der Anteil der Briefwähler ist bei dieser Bundestagswahl so hoch wie noch nie. Wann, wo und wie diese Stimmen ausgewertet werden – und was das für die Zuverlässigkeit der Zahlen am Wahlabend bedeutet. © Rolf Vennenbernd Wahlhelferinnen und Wahlhelfer in Köln öffnen bei der Auszählung der Briefwahl die rosafarbenen Umschläge. An einem Wahlabend sind stets alle Augen auf die ersten bunten Balken- und Kuchendiagramme gerichtet. Doch die Prognosen, die seit 18 Uhr veröffentlicht werden, sind in diesem Jahr mit besonderer Vorsicht zu genießen - denn die Zahlen dürften sich im Lauf des Abends noch verändern.

Felix Peter, Psychologe und Mitverfasser des Buchs Climate Action - Psychologie der Klimakrise, sieht nicht das Alter für die Haltung gegenüber Klima- und Umweltfragen als ausschlaggebend an. Er sagt: Die aktuelle Politik betone zu oft die Sorgen über notwendige Veränderungen, statt deren Lösungen - das löse Widerstand aus.

"Wenn etwa älteren Menschen suggeriert wird, dass Klimaschutz bedeutet: 'Ihr dürft nicht mehr Auto fahren', dann stößt notwendiger Klimaschutz auf Widerstand, weil sie etwa auf ihr Auto angewiesen sind, um zum Arzt zu fahren. Was wir brauchen, sind veränderte Rahmenbedingungen, die es allen Menschen leichter machen, sich klimafreundlich zu verhalten." So ließen sich Gewohnheiten schneller verändern, dann könne auch der Widerstand schwinden, sagt Peter. "Solange wir aber unter klimaschädlichen Regeln leben, wird es uns kaum möglich sein, klimafreundlicher zu leben."

Radikalisiert sich die Klimabewegung?

Doch was folgt, wenn die Klimapolitik so träge bleibt, wie sie derzeit ist? Wird sich die Klimabewegung radikalisieren? "Ich denke schon, dass - je nachdem wie die Bundestagswahl ausgeht und wie viel in den kommenden Jahren in Sachen Klimaschutz passiert - da auf jeden Fall ein gewisses Radikalisierungspotential drinsteckt", sagt Klimaaktivistin Jana Boltersdorf. "Je länger die Regierenden die Klimakrise nicht als die Krise behandeln, die sie ist, desto mehr zivilen Ungehorsam wird es meiner Prognose nach geben."

Es gab und gibt ihn auch vor der Wahl schon: In Form von Baumhäusern gegen die Rodung des Hambacher und des Dannenröder Forst, Autobahn-Blockaden zur Internationalen Automobilausstellung in München, besetzten Braunkohlegebieten und Steinkohle-Baggern. Erstmals gingen Menschen in Deutschland aus Sorge vor der Klimakrise sogar in den Hungerstreik.

Fridays For Future solidarisiere sich mit all diesen Protestformen, es sei wichtig, dass es vielfältige Aktionen gebe, sagt Pauline Brünger. Die Schülerstreik-Bewegung selbst aber sehe ihren Platz weiterhin beim Protest auf der Straße - auch nach der Bundestagswahl.

Denn man müsse der Realität ins Auge blicken, dass wahrscheinlich keine Koalition einen Vertrag unterschreiben werde, der mit dem Pariser Klimaabkommen konform sein werde. "Deswegen ist es essentiell, dass wir dann weiter Druck ausüben, damit die nächste Bundesregierung ihrer Verantwortung meiner und folgender Generationen gerecht wird und konsequenten Klimaschutz umsetzt."

Autor: Jeannette Cwienk

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