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Wissen & Technik: Wie zuverlässig sind Corona-Schnelltests?

Ende der kostenlosen Corona-Tests: Für wen es ab Montag noch Gratis-Tests gibt — und was man sonst zahlen muss

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Trügerische Sicherheit: Bei einer Prüfung der Zuverlässigkeit von Antigen-Schnelltests fiel jeder fünfte Test durch - selbst bei hoher Virenlast. Noch dürfen Hersteller ihre Test selber ungeprüft zertifizieren.

Auch bei einem negativen Testergebnis kann man trotzdem infiziert sein und kann damit andere anstecken © Sebastian Gabsch/Geisler-Fotopress/picture alliance Auch bei einem negativen Testergebnis kann man trotzdem infiziert sein und kann damit andere anstecken

Im globalen Kampf gegen das Corona-Virus spielen Antigen-Schnelltests inzwischen eine zentrale Rolle, nicht nur für Ungeimpfte, sondern künftig auch vermehrt wieder für Geimpfte. Getestet wird bei der Arbeit, im öffentlichen Leben oder im privaten Umfeld. Wenn 2G+ gilt, müssen auch Geimpfte und Genesene zusätzlich einen negativen Test vorweisen.

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Viele vertrauen auf die Corona-Schnelltests, die seit Anfang 2021 auch für den privaten Gebrauch zugelassen sind: Denn Schnelltest helfen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und Infektionsketten zu unterbrechen. Viele testen sich lieber, bevor sie etwa ihre Verwandten im Alten- oder Pflegeheime besuchen, bevor sie sich zu kleineren privaten Feiern treffen oder wenn jetzt bald die familiären Weihnachtsbesuche anstehen.

Allerdings könnte sich das so vermittelte Sicherheitsgefühl als trügerisch herausstellen. Forschende vom Paul-Ehrlich-Institut, vom Robert Koch-Institut und der Berliner Charité haben sich eine große Anzahl von verfügbaren Antigen-Schnelltests genauer angesehen und rund 20 Prozent fielen bei der Prüfung durch - weil sie selbst bei einer hohen Virenlast nicht funktionierten.

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Die meisten Schnelltest helfen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und Infektionsketten zu unterbrechen. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/picture alliance Die meisten Schnelltest helfen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und Infektionsketten zu unterbrechen.

75 Prozent der Fälle müssten erkannt werden

Laut der als Preprint veröffentlichten Studie genügten 26 der 122 überprüften Schnelltests nicht einmal dem Minimalanforderungen: einer Sensitivität von 75 Prozent.

Das bedeutet, dass Antigen-Schnelltests mindestens in 75 Prozent der Fälle anschlagen müssen, wenn die Probe eine definierte Virusmenge enthält. Wie hoch diese Virusmenge ist, bestimmt der Ct-Wert. Dieser Ct-Wert gibt an, wie oft eine Probe im Labor vermehrt werden muss, bis das Erbgut von SARS-CoV-2 darin nachweisbar ist.

Je niedriger der Wert, desto höher die Virenlast. Liegt der Ct-Wert bei 25 oder darunter, dann ist die Virenlast sehr hoch, sprich: Die Person ist sehr ansteckend. Liegt der Wert bei 25 bis 30, dann ist die Virenlast hoch, und liegt sie zwischen 30 und 36, dann ist die Viruslast moderat.

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Bei einer sehr hohen Virenlast schlugen immerhin rund 80 Prozent der geprüften Schnelltests an. Und 60 Prozent entdeckten sogar alle hochinfiziösen Proben. Aber jeder fünfte Test fiel durch.

Warum sind PCR-Tests zuverlässiger?

Ob nun Schnelltest oder PCR-Test - bei beiden Verfahren werden Sekrete der Atemwege gesammelt, etwa bei Abstrich aus der Nase und/oder dem Rachen.

Bei den Schnelltests wird dann in diesen Sekreten nach Antigenen, also nach bestimmten Proteinen in der Virushülle gesucht. Wenn die Probe aber nur wenige Viren enthält, zum Beispiel weil die Person erst ganz am Anfang oder am Ende der Infektion steht oder weil sie vor der Probenentnahme viel getrunken hat, dann sind diese Schnelltests nicht sehr zuverlässig. Schlägt ein Schnelltest positiv aus, sollte deshalb unmittelbar ein deutlich zuverlässigerer PCR-Test folgen.

Denn bei einem PCR-Test wird im Labor mithilfe einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR) nach dem Erbgut des SARS CoV-2 gesucht und da reichen schon kleine Virusmengen für ein positives Testergebnis.

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PCR-Tests dauern, weil sie nur im Labor durchgeführt werden könne, sind aber viel zuverlässiger © Brandon Bell//AFP/Getty Images PCR-Tests dauern, weil sie nur im Labor durchgeführt werden könne, sind aber viel zuverlässiger

Prüft denn niemand die Zuverlässigkeit von Schnelltests?

Die Antwort mag überraschen: Noch dürfen Hersteller ihre Antigen-Schnelltests ohne externe Qualitätsprüfung auf den Markt bringen und sich die nötige CE-Konformitätserklärung selber ausstellen. Diese CE-Erklärung besagt, dass ein Produkt die grundlegenden Sicherheits- und Leistungsanforderungen erfüllt.

Auf der Seite des zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts heißt es: Gemäß der aktuellen EU-Richtlinie für In-vitro-Diagnostika (IVD), die derzeit die Marktzulassung für IVDs in Europa regelt, können die Hersteller allerdings die COVID-19-Tests als "IVD niedrigen Risikos" noch selbst zertifizieren und auf eine unabhängige Überprüfung der Tests verzichten, bevor sie sie auf den Markt bringen."

Die Hersteller bescheinigen sich also selber, dass ihre Tests die Antigene zuverlässig erkennen. Ein unhaltbarer Zustand, der sich aber erst ab Mai 2022 ändern wird, schreibt das PEI: "Dann müssen gemäß der IVD-Verordnung für deren Zertifzierung ein EU-Referenzlabor und eine Benannte Stelle hinzugezogen werden, da die COVID-19-Tests der höchsten Risikoklasse angehören werden. Zukünftig verlangt dies dann eine Laboruntersuchung der Tests sowie eine unabhängige Überprüfung der Daten."

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Also erst am Mai 2022 müssen alle Corona-Tests eine externe Qualitätskontrolle zum Beispiel durch den TÜV durchlaufen.

Gerade mit Auftreten der neuen Omikron-Variante sind regelmäßige und weitreichende Tests dringend notwendig © Christoph Reichwein/imago images Gerade mit Auftreten der neuen Omikron-Variante sind regelmäßige und weitreichende Tests dringend notwendig

Sind Schnelltest deshalb sinnlos?

Nein! Antigen-Schnelltest bleiben sinnvoll und sie helfen, die Pandemie einzudämmen, weil sie oftmals sehr schnell Infektionen erkennen und sich so Infektionsketten frühzeitig unterbrechen lassen. Gerade wenn jemand eine hohe Virenlast hat, also sehr ansteckend sind, schlagen sie Alarm.

Aber auch bei einem negativen Testergebnis kann man trotzdem infiziert sein und kann damit andere anstecken. Schon zwei Tage bevor sich die ersten Symptome zeigen, ist man bereits infektiös. Dann oder wenn man zum Beispiel einen symptomfreien Verlauf hat, schlagen die Schnelltest zuweilen nicht richtig an.

Deshalb sollte man sich nicht zu sehr auf die Ergebnisse verlassen und sich auch nicht in einer trügerischen Sicherheit wiegen.

Autor: Alexander Freund

Corona-Tests: Gelockert werden nur die Teststandards .
Mehr Infektionen, weniger PCR-Tests und Kontaktverfolgung, ein neuer Impfstoff – Bund und Länder suchen den Weg aus der Omikron-Welle. Was das für den Alltag bedeutet. © Michael Buholzer/​Keystone/​dpa PCR-Tests nur noch im Ausnahmefall: Bund und Länder passen die Corona-Regeln an. Die Infektionszahlen sind auf Rekordniveau, die Gesundheitsämter verlieren vielerorts den Überblick. Die Intensivbettenauslastung aber sank in den vergangenen Wochen von 20 auf 10 Prozent.

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