Wissen & Technik: Faktencheck: Schützen die Corona-Impfstoffe gegen die Delta-Variante?

Studenten bauen Superbike mit E-Antrieb - Delta-XE

  Studenten bauen Superbike mit E-Antrieb - Delta-XE Als Team Electric Superbike Twente haben niederländische Studenten ein 200 PS starkes Elektro-Superbike auf die Räder gestellt. © Electric Superbike Twente Das Studententeam der Universität Twente hat mit der neuen Delta-XE bereits die vierte Evolutionsstufe ihres elektrischen Superbike-Projekts vorgestellt. Die wurde in nahezu allen Teilen gegenüber dem Vorgängermodell verbessert. Geplant ist mit der Delta-XE an einer von der Electric Road Racing Association geplanten rein elektrischen Rennserie weltweit gegen andere Elektro-Superbike-Projekte anzutreten.

In Großbritannien sind einige Menschen trotz Impfung an der Delta-Variante verstorben. Reicht der COVID-19-Impfschutz nicht mehr? Ein Blick auf die Fakten zeigt: Doch, vollständige Impfungen schützen auch gegen Delta.

Delta sorgt für die nächste Welle: Auch in Spanien steigen die Infektionszahlen erneut © Joan Mateu/AP Photo/picture alliance Delta sorgt für die nächste Welle: Auch in Spanien steigen die Infektionszahlen erneut

In Großbritannien starben bisher mindestens 259 Menschen, die sich mit der Delta-Variante angesteckt haben. Davon waren laut den aktuellsten Daten von Public Health England, einer Behörde des britischen Gesundheitsministeriums, 116 Personen vollständig geimpft. Deswegen werden jetzt Fragen im Netz laut: Schützt eine Impfung noch vor der Delta-Variante?

Analyse zur Delta-Variante: 12 Menschen in Großbritannien sterben trotz vollständiger Impfung

  Analyse zur Delta-Variante: 12 Menschen in Großbritannien sterben trotz vollständiger Impfung Das geht aus einer aktuellen Analyse hervor. Vollständig Geimpfte machen allerdings nur fünf Prozent der mit Delta infizierten Personen aus.Wie die Analyse außerdem zeigt, ist die Delta-Variante um bis zu zwei Drittel ansteckender als die ohnehin schon ansteckendere Variante Alpha (B.1.1.7). Diese hatte bisher das Infektionsgeschehen dominiert — auch in Deutschland. Neil Ferguson, Direktor des MRC Centre for Global Infectious Disease Analysis am Imperial College London hatte kürzlich gesagt, ein gewisses Maß an erhöhter Übertragung durch Delta sei zwar grundsätzlich verkraftbar.

Die gute Nachricht gleich vorab: Ja, eine Impfung schützt weiterhin.

Warum bleibt trotz doppelter Impfung ein Restrisiko?

Keine der bisher zugelassenen Impfungen schützt hundertprozentig vor einer Corona-Infektion - das zeigen Studien schon seit der Einführung der Impfungen. Gerade Geimpfte mit Vorerkrankungen können sich, wenn auch mit einem geringen Risiko, möglicherweise anstecken - und im schlimmsten Fall sterben. Die aktuelle Sterblichkeitsrate ist in Großbritannien aber, trotz steigender Coronainfektionen, weiterhin sehr gering.

Deutschlands bekanntester Virologe Christian Drosten erklärte im Juni dazu im NDR-Podcast "Coronavirus-Update": "Es gibt die Fälle, dass auch Leute, die doppelt geimpft sind, versterben." Dann müsse man genau hinschauen, woran sie eigentlich verstorben seien und wie die Diagnose gestellt worden sei. Der hohe Anteil von bereits Geimpften unter den Toten hängt wohl - genau wie die oben erwähnte grundsätzlich sehr niedrige Sterblichkeit - damit zusammen, dass eben ungefähr die Hälfte der Bevölkerung schon vollständig immunisiert ist. Zudem waren 116 der 118 Verstorbenen den Daten zufolge älter als 50 Jahre.

Mokumono Delta C: Pedelec mit markantem Rahmen und vielen Teilen aus Europa

  Mokumono Delta C: Pedelec mit markantem Rahmen und vielen Teilen aus Europa Das niederländische E-Bike-Startup Mokumono hat mit dem Delta C ein verhältnismäßig leichtes Pedelec mit markantem Monocoque-Rahmen vorgestellt, dessen Teile zu großen Teilen aus Europa stammen. © Mokumono Mokumono Delta C. Das Delta C ist nach dem 16 Kilogramm leichten Delta S das mittlerweile zweite Modell des niederländischen Startups, das von den Zwillingsbrüdern Bob und Tom Schiller entwickelt wurde. Das Ziel des Unternehmens: ein E-Bike zu bauen, dessen Teile zu 100 Prozent aus Europa stammen. Beim Delta C soll der Anteil europäischer Komponenten bei 65 Prozent liegen.

Eine Impfung schützt sehr gut vor COVID-19 - aber nicht zu 100 Prozent © Khalid Mohammed/AP Photo/picture alliance Eine Impfung schützt sehr gut vor COVID-19 - aber nicht zu 100 Prozent

Peggy Riese, Wissenschaftlerin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, liefert im DW-Interview ein anschauliches Beispiel: "Wenn 100 Prozent einer Bevölkerung geimpft sind, dann sterben auch immer ein paar Geimpfte." Das heiße nicht, dass der Impfstoff nicht sicher sei. Er schütze eben nur nicht hundertprozentig.

Zudem könne es auch bei einigen wenigen Menschen trotz Impfung zu Todesfällen kommen, wenn die Impfungen bei ihnen nicht so gut anspringen würden, wie beispielsweise bei Menschen, die Immunsuppressiva nehmen oder Transplantationen hatten, erklärt Georg Behrens, Professor an der Medizinischen Hochschule Hannover bei der Klinik für Rheumatologie und Immunologie, im DW-Interview. Außerdem lasse die Wirkung der Impfung nach einigen Monaten nach. "Einige Menschen können unter unglücklichen Konstellationen dann dennoch eine schwere Erkrankung erleiden", sagt der Wissenschaftler. Die Impfstoffe schützten zwar sehr gut - aber einen hundertprozentigen Schutz gebe es natürlich nie.

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Eine Modellierungsstudie vermutet, dass die Impfungen alleine im britischen Landesteil England bisher etwa 7,2 Millionen Infektionen sowie 27.000 Todesfälle verhindert haben. "Die Zahl der durch das Impfprogramm verhinderten Infektionen und Todesfälle ist nicht nur erstaunlich hoch, sondern wächst im Laufe des Impfprogramms exponentiell", erklärte Paul Birrell, einer der an der Studie beteiligten Wissenschaftler.

Gute Schutzwirkung bei vollständiger Impfung

Die im DW-Interview befragten Experten sind von der Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die Delta-Variante überzeugt. "Die Impfungen sind fantastisch gut", sagt beispielsweise der Virologe Weber. "Die Immunantwort bei Geimpften, die die doppelte Dosis abbekommen haben, und entsprechend warten, ist im Schnitt höher oder wie bei Leuten, die eine Immunantwort nach einer Infektion bekommen haben", erklärt er weiter.

Erkenntnisse aus der Wissenschaft stützen die Einschätzung der Experten.

Einer aktuellen Studie zufolge, die im Fachmagazin Nature publiziert wurde, schützt eine doppelte Impfung von BioNTech/Pfizer weiterhin stark vor der Delta-Variante. Neue Daten aus Israel stufen die Schutzwirkung gegen Delta allerdings etwas geringer ein als bisherige.

+++ Corona-Update +++: Delta-Variante: RKI erwartet Wiederanstieg der Inzidenzen

  +++ Corona-Update +++: Delta-Variante: RKI erwartet Wiederanstieg der Inzidenzen +++ Corona-Update +++: Delta-Variante: RKI erwartet Wiederanstieg der InzidenzenSamstag, 26.

Wie das israelische Gesundheitsamt in einer Pressemitteilung bekannt gab, sei die Wirksamkeit der BioNTech/Pfizer-Impfung gegen die Delta-Variante in Bezug darauf, eine Infektion komplett zu verhindern, auf 64 Prozent gesunken. Auch verhindere die Impfung "nur" um 64 Prozent eine Erkrankung mit Symptomen. Dennoch schütze die Impfung weiterhin zu 93 Prozent vor einer schweren Infektion mit Krankenhausaufenthalt. Wie das israelische Gesundheitsamt genau zu den Daten kommt, ist nicht transparent. Bisher gab es von der Pressestelle auf DW-Anfrage keine genaueren Angaben zur Vorgehensweise in der Studie.


Video: Corona: Wie gut wirken die Impfstoffe gegen die Delta-Variante? (gofeminin)

Die bisher veröffentlichten Studien zum Impf-Schutz gegen die Delta-Variante zeigen zudem große Unterschiede, wie der Vergleich zwischen Israel, Kanada, England und Schottland in der Financial Times zeigt.

Wird eine 'Booster'-Impfung notwendig?

Behrens von der Medizinischen Hochschule Hannover betont dabei, es müsse beachtet werden, zu welchem Zeitpunkt die Menschen in Israel, die sich mit Delta angesteckt haben, geimpft wurden. Die ersten Impfungen seien schon im Dezember letzten Jahres gesetzt worden. Die Wirkung könnte langsam nachlassen und eine weitere Dosis notwendig sein, so der Professor.

Der hoch ansteckende Delta-Belastung erläutert

 Der hoch ansteckende Delta-Belastung erläutert Die hoch ansteckende Delta-Variante von Covid-19 wird die Länder, die langsame Impfrollen und eine schwache Aufnahme in vorbeugenden Strategien aufweisen, die Wissenschaftler gewarnt haben. © AP Ein Elektronenmikroskopbild zeigt die sphärischen Partikel des neuen Coronavirus, farbig blau, aus dem ersten US-Fall von Covid-19.

Darauf deuten die Hersteller der BioNTech/Pfizer-Impfung auch in einer aktuellen Pressemitteilung hin. Um die Wirksamkeit aufrecht zu erhalten, fordern sie die Zulassung für eine dritte Impfdosis sechs Monate nach der zweiten Impfung.

Frühere Daten aus Großbritannien hatten auf eine etwas höhere Wirksamkeit der beiden mRNA-Impfstoffe gegen Hospitalisierung hingedeutet als die israelischen Daten aufzeigen: Einer PHE-Studie zufolge soll eine BioNTech/Pfizer-Impfung einen schweren Verlauf der Delta-Variante mit Krankenhausaufenthalt nach der ersten Impfung bereits zu 94 Prozent verhindern, nach der zweiten Dosis sogar zu 96 Prozent. Mit AstraZeneca geimpfte Menschen sind nach der ersten Impfung zu 71 Prozent davor geschützt, einen schweren Verlauf mit Krankenhausaufenthalt zu haben - nach der zweiten sogar zu 92 Prozent.

Einer weiteren britischen Studie zufolge schützen die Impfstoffe auch davor, überhaupt symptomatisch auf eine mögliche Infektion mit der Delta-Variante zu reagieren. BioNTech/Pfizer schützt dabei nach der ersten Dosis zu 36 Prozent vor einem symptomatischen Verlauf, zu 88 Prozent nach der zweiten Dosis. Bei AstraZeneca sind es nach der ersten Dosis 30 Prozent, nach der zweiten 67 Prozent.

Diese ersten Studienergebnisse zeigen, dass die Delta-Variante zwar prinzipiell resistenter gegen die Impfstoffe ist - aber gerade eine vollständige Impfung weiterhin stark vor dieser Variante schützt.

Wie wahrscheinlich sind noch gefährlichere Varianten?

Varianten entstehen, wenn das Virus durch Zufall mutiert. "Neue Varianten werden wahrscheinlich noch eine ganze Weile auf uns zukommen", sagt der Virologe Weber. Erst wenn der Großteil der Bevölkerung durchgeimpft sei, würden nicht mehr neue Varianten entstehen. Dass die Impfungen aber plötzlich gar nicht mehr wirken würden, davon geht der Virologe nicht aus.

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  +++ Corona-Update +++: RKI setzt Impfziel: Hohe Impfquote wegen Delta nötig +++ Corona-Update +++: RKI setzt Impfziel: Hohe Impfquote wegen Delta nötig (glomex) Fast 183 Millionen Menschen haben sich weltweit nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt. Das ergibt eine Reuters-Zählung auf Basis offizieller Daten. Mehr als 4,11 Millionen Menschen sind in Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Die Dunkelziffern dürften Experten zufolge deutlich höher sein. Die USA weisen weltweit die höchsten Werte auf.Freitag, 02.

Man könne keine genaue Wahrscheinlichkeit dafür liefern, ob es noch gefährlichere Varianten geben werde, sagt Wissenschaftler Behrens. Es komme aber auch immer wieder zu weniger gefährlichen Mutationen, die sich nicht durchsetzen. Der beste Schutz sei in jedem Fall eine Impfung. Denn je mehr Menschen sich impfen lassen, desto größer ist die Immunität in der Bevölkerung und desto kleiner wird das Infektionsgeschehen.

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Das bestätigt auch Peggy Riese. Die Wissenschaftlerin sagt zudem, dass man dieses Szenario nicht genau vorhersagen könne. Das Coronavirus mutiere insgesamt zwar häufiger als beispielsweise das Masernvirus, aber seltener als das Grippevirus. Es sei also weder ein Virus, das besonders schnell mutiere, noch eines, dass ganz langsam mutiere.

Brauchen wir neue Impfstoffe?

Bisher sind die Impfstoffe sehr wirksam gegen alle besorgniserregenden Mutationen. Wenn sie nicht mehr so gut schützen, müsse man die Impfstoffe natürlich anpassen, sagt Wissenschaftlerin Riese. Dennoch solle man da nicht übereilig sein. "So schnell entwickelt sich ein Impfstoff ja auch nicht. Wenn jedes Vierteljahr eine Mutante entsteht, dann kommen wir nicht mehr hinterher mit der Impfstoffentwicklung." Sonst könnte es auch passieren, dass ein Impfstoff an eine Variante angepasst werde, dann aber gar nicht mehr zu gebrauchen sei, weil das Virus schon wieder mutiert sei.

Virologe Weber sieht das etwas anders. "Man sollte die Impfstoffe gleich anpassen", sagt er. Die große Bremse dabei seien die großen Studien, die man vor der neuen Zulassung machen müsste, die Zeit in Anspruch nähmen.

Der Hersteller BioNTech/Pfizer ist eigenen Angaben zufolge derzeit dabei, eine Impfung speziell gegen die Delta-Variante zu entwickeln. Erste klinische Studien dazu sollen schon im August beginnen.

Auch Forscher des renommierten Berliner Universitätsklinikums Charité gehen davon aus, dass die COVID-19-Impfungen während der Pandemie regelmäßig überprüft und wenn nötig angepasst werden müssen. Zurzeit verändere sich das Virus schnell, da es viele Infektionen weltweit gibt und sich damit der Virus auch schneller weiterentwickeln kann, heißt es in einer Pressemitteilung.

"Auf Basis der Evolutionsraten der heimischen Erkältungscoronaviren gehen wir davon aus, dass sich auch SARS-CoV-2 langsamer verändern wird, sobald das Infektionsgeschehen abebbt - also nachdem ein Großteil der weltweiten Bevölkerung entweder durch die Erkrankung selbst oder durch eine Impfung einen Immunschutz aufgebaut hat", erklärt Jan Felix Drexler, Leiter der Studie vom Institut für Virologie. Sobald sich die Situation stabilisiert habe, würden die Impfungen voraussichtlich auch länger nutzbar sein.

Autor: Kathrin Wesolowski

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